Druckschrift 
Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
Entstehung
Seite
1426
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1426

Luft

Bei einer Kühe von 395 L446 1884 in über dem Meer.

Kohlensäure . . 3,13 2,05 1,72 Tol.-THe. für 10000 Vol.-Thle. Imft

auf 0° und 760 mm Druck, wie obig« Zahlen, reducirt; desgl. ist nach J. .Reisetdie Luft bei nebeligem Wetter am koblensäurereicbaten.

Die Luft in geschlossenen, ausgedehnten Waldungen enthält nach Eberrnaj'ermehr Kohlensäure als die auf freiem Felde, lieber sonstige Schwankungen indem Kohlensäuregebalt der Luft vergi. E. Wollny *) und H. Puchner 2 ).

Bei der grossen Menge Kohlensäure, die täglich durch Verbrennungen bezw.durch den Athmungsvorgang der Thiere entsteht und die von den Pflanzen aufge-nommen wird, um dafür Sauerstoff an die Luft auszuathmen, sollte man annehmen,dass die Schwankungen der Luft im Gehalt an Kohlensäure und Sauerstoff weit be-trächtlicher seien, als sie hier gefunden worden sind, dass z. B. die Luft im Winterbeim Ruhen dos Pflanzenwachsthuffis (oder in pflanzenarmen Gegenden) weit reicheran Kohlensäure und ärmer an Sauerstoff sein müsste. als irn Sommer.

Dieses ist aber nicht der Fall: denn die Gasmengen, um welche es sich handelt,wie gross sie auch an sich sein mögen, sind im Verhältnis^ zu der Gesammtmasseder Luft noch immer sehr gering, und man hat berechnet, dass bei dem grossenSauerstoffvorrath im Luftmeer, auch ohne beständige Neubildung durch die Pflanzen,die Menge desselben unter den gegenwärtigen Be-völkerungs- Verhältnissen erst inTausenden von Jahren von 21 % auf 20% sinken würde, wenn eine Neubildungvon Sauerstoff nicht stattfinden sollte. Die Schwankungen im Gebalt der Luft anKohlensäure, Sauerstoff und Wasser sind mehr von der Windstremung und plötz-lichen Abkühlung der Luft, als von vorstehendem Vorgang abhängig. Nach Th.Scblösing bildet das Meer einen Regeier für den Kohiensäuregehalt der Luft, in-dem es bald Kohlensäure an die Luft abgiebt, bald solche aus derselben aufnimmt.

Weil die durch die Lebens- und die Verbrentmngs-Vorgänge gebildete Kohlen-säure durchweg eine höhere Temperatur als die Luft besitzt, so verbreitet sie sichschnell nach allen Richtungen in der Luft, während Kohlensaure, welche eine niedri-gere Temperatur als die Luft besitzt, z. B. in Gährkellern, in Folge ihres höherenspeo. Gewichtes sich nur schwer mit der über ihr lagernden Luft mischt. In ge-schlossenen Räumen verhält sich natürlich die Sache, wie wir gleich sehenwerden, anders.

Neben Kohlensäure giebt es noch Spuren sonstiger Kohlenstoff- Verbindungen(Kohlenwasserstoffe) in der Luft: berechnet man den an Wasserstoff gebundenenKohlenstoff auf Sumpfgas (OH 4 ), so betragt die Menge des solches Weise gebun-denen Kohlenstoffs bezw. des Sumpfgases nach Muniz und Aubin zwischen 10 bis30 Vol.-Thle. für 1000000 Vcl.-Thle. Luft.

A. Gautier 8 ) fand in der Luft ebenfalls stets mehr oder weniger brennbare Gaseund zwar Kohlenwasserstoffe (Methan, Benzol ? etc.) und freien Wasserstoff,welcher letzterer von Gährungs- und Fäulnissvorgängen an der Erdoberfläche sowievon vulkanischen Ausbrüchen herrühren soll; 100 1 Pariser Luft enthielten zu ver-schiedenen Zeiten 12,122,6 cera Methan, 1,7 cem kohlenstofirek-heres GaB (Benzol?),

') Forschungen auf 4. Gebiet d. A.grik.-Physik 1&86, 9, 405.-) Ebendort 1892, 15. 286.

3 ) Nach Compt. rendns 1900. 130, 1677; 1901, 131, 13, 86, 525 u. 647 in üeitschr. f.Untersuchung d. Nahrunge- u. öenussmittel 1901, 4, 471474.