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Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
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Kochsalz.

Das Kochsalz (Chlornatrium) gehört, wie ich bereits S. 208 auseinandergesetzt habe,zu deD Genussmitteln. Seine wichtige Rolle besteht in einer Beförderung der Ab-sonderung der Verdauungssäfte. Das Bedürfniss nach Kochsalz tritt vorzugsweise beiVerzehr von Pflanzenkost auf; alle Völker, welche neben thierischer auch pflanzlicheNahrung gemessen, bedienen sich auch des Kochsalzes in der Nahrung, während dienur thierisehe Kost verzehrenden Volksstämme Kochsalz als Zuthat zu ihren Speisennicht kennen.

Der Grund hiervon liegt, wie S. 353 ausgeführt ist, nach den Untersuchungenvon G. Bunge darin, dass die pflanzlichen Nahrungsmittel gegenüber den thierischenim Verhältniss zu den Natriumsalzen eine viel grossere Menge Kaliumsalze enthaltenund letztere durch Umsetzung mit den Natriumsalzen der Körpersäfte eine erhöhteAusfuhr von Natriumsalzen aus dem Körper bewirken, welche durch eine vermehrteZufuhr von Chlornatrium wieder gedeckt werden muss.

Ausser als direktes Genussmittel dient das Kochsalz auch zur Frischhaltungvon Nahrungsmitteln aller Art (vergl. S. 443 und 518).

Die Menge des täglich von einem erwachsenen Menschen bei gemischter Kostaufgenommenen Kochsalzes kann auf 1220 g, im Mittel etwa auf 17 g oder fürden Kopf und das Jahr auf 57 kg veranschlagt werden.

Im Deutschen Reich werden nach früheren Angaben etwa 250000300600 t Koch-salz im Jahr als Genussmittel verwendet, erzeugt dagegen 550000 t; von dem für Genuss-zwecke überschüssig erzeugten Kochsalz gelangen 85000 t als Viehsalz, 2500 t alsDünger, 100000 t für die chemische Industrie (Soda-Fabrikation) zur Verwendung,50000 t ungefähr werden ausgeführt.

Das Kochsalz ist in der Erdrinde sehr weit verbreitet. Mit Ausnahme der jüngstenFormationen (Alluvium und Diluvium) und der älteren und primitiven Gesteinen findenwir Kochsalz-Ablagerungen in allen dazwischenliegenden Formationen, so in derMolasse des Tertiärgebirges als der jüngsten Lagerstätte (Wieliczka), durch dieKreide (Cordova in Spanien), den Jura (in Algier), die Triasgruppe, besonders denKeuper und Muschelkalk (die meisten Steinsalzlager Deutschlands, in den öster-reichischen und bayerischen Alpen etc.) bis in den Zechstein (Stassfurt) und dieKohlenformation.

Aus diesen Kochsalzlagern wird dasselbe entweder direkt als Steinsalz gefördertoder man treibt einen Schacht (Bohrloch) in die- salzhaltige Schicht und gewinntdurch Pumpwerke ein stark salzhaltiges Wasser, welches auf Kochsalz verarbeitet