Druckschrift 
Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
Entstehung
Seite
1413
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Trinkwasser.

1413

C. In bakteriologischer Hinsieht.

Die gewöhnlich im Wasser vorkommenden B a k t e r i e n sind an und für sieh nicht gesundheits-schädlich; ihre Zahl ist aber ein Maassstab für die grössere oder geringere Keinheit eines "Wassers;denn jede Verunreinigung, abgesehen von solchen aus manchen industriellen Betrieben, deren Nachweisleicht chemisch gelingt, bedingt eine Vermehrung der Keime.

Eine grosse Anzahl von Bakterien und besonders verschiedener Arten deutet also fast immerauf die Möglichkeit einer Infektion hin. Solche Infektionsmöglichkeit ist aber bei allen Oberflächen-wässern, Bächen, Flüssen, Seen gegeben, namentlich erstens bei solchen stark bewohnter Gegendensolche Wässer sollen, wenn sie sonst chemisch rein sind, nur nach genügender Filtration genossenwerden oder zweitens bei Brunnen, welche gegen das Eindringen von Staub von oben her nichtgenügend geschützt sind, oder drittens durch Zuflüsse stark bakteriellnaltiger Wässer. Oberfläohcn-wässer und Brunnenwässer, welche chemisch gut und nicht durch faulige Zuflüsse verunreinigt sind,können daher zun) Genüsse zulässig gemacht werden, erstere durch Filiration, letztere durch genügendenAbschluss von oben. Wässer aber, welche Zuflüsse von Fäulnissherden erhalten, sind vom Gemisseauszuschliessen oder es müssen, wenn es Wässer aus Brunnen sind, diese gründlich gereinigt und soumgebaut werden, dass derartige Zuflüsse überhaupt nicht mehr stattfinden können (vergl, S. 1384).

Als Anhaltspunkte für die Beurtheilung eines Gebrauehswassers auf (.»rund des bakteriologischenBefundes können folgende dienen:

1. Ein reines gutes Wasser soll nur wenige Bakterien oder Keime von Mikrophyten enthalten.Bei einem reinen Grundwasser aus nicht verunreinigten Bodenschichten übersteigt bei tadelloser

Anlage die Anzähl der Keime von Mikrophyten selten 50 in 1 ecm. Ist die Anlage aber keine völligvollkommene, so kann die Zahl der Keime bedeutend auf 100 bis 200 Keime in 1 cem an-wachsen. Aehnliche Verhältnisse können bei neuen und umgebauten Anlagen vorkommen, besonderswenn erhebliche Erdbewegungen stattgefunden haben. In anderen Fällen kommen aber, so besondersim Wasser aus dem Schiefergebirge, mehrere hundert und mehr Mikrophytenkeime in 1 cem vor,ohne dass diese schädlich sind, zuma' wenn sie nur von einer Bakterienart herrühren, in diesenletzteren Fällen ist jedoch darauf hinzuweisen, dass solche Wässer nicht gleiehmässig gut filtrirt sind,und damit die Möglichkeit einer Infektion nicht unbedingt ausgeschlossen ist.

2. Schwankt die Anzahl der Bakterien, d. h. ist sie zu gewissen Zeiten höher als zu anderenZeiten, so ist das ein Zeichen für zeitweise besondere Verunreinigungen eine* Wassers, sei es aus denBodenschichten, oder durch besondere Zuflüsse, oder durch ungenügend wirkende Filtration,

3. Ein Wasser, welches pathogene Mikroorganismen enthält oder begründeten Verdacht für dasVorhandensein derselben giebt, ist stets vom Genüsse auszuschliessen.

D. Gesammtbe urtheilung auf Grund des chemischen und bakteriologischen Befundes.

1. Trifft bei einem Wasser hohe Keimzahl mit dem Vorhandensein von Ammoniak, salpetrigerSäure, grossen Mengen gelöster organischer Stoffe (hoher Permanganatverbraueh, Schwärzen des Ab-dampfrückstandes bei dem Erhitzen und Vorhandensein von Albuminoid-Ammoniak u. s. w.) zusammen, somuss das Wasser unbedingt verworfen werden.

2. Liegt hoher Keimgehalt einerseits und liegen andererseits keinerlei belastende Umstände hin-sichtlich der chemischen Zusammensetzung vor, so ist die Vermuthung berechtigt, dass das Wasser reinist. Die hohe Keimzahl kann dann bedingt sein durch Fehler in der VVassergcwinnungsanlage. Ineinem solchen Falle muss zunächst die "Wassergewinnungsanlage einer genauen Musterung unterworfenwerden.

3. Ist ein Wasser verhältnissmässig reich an gelösten Bestandtheilen im Gesammteil und weistes hohe Gehalte an Nitraten und Chloriden auf, bei gleichzeitigem Vorhandensein von Ammoniak undmittleren Mengen an gelösten organischen Stoffen, so entstammt das Wasser einem verunreinigtenBoden, wie er sich als Untergrund von Städten, Gehöften u. s. w. häufig findet. Ein solches Wasserkann bei einer einzelnen Untersuchung niedere Keimzahlen geben, aber bei einer Wiederholung hohe,ja auch sehr hohe Keimzahlen. Wenn man bei niederem Keimgehalt auf Grund einer einmaligenUntersuchung ein solches Wasser auch nicht geradezu beanstanden muss, so düifte es doch stets ge-