Trinkwasser.
1379
In Folge der erhöhteren Zersetzungsvorgänge ist, das Regenwasser im Sommerund der Nebel in den Städten reicher an Ammoniak als im Winter bezw. auf demLande. Dagegen pflegt der Gehalt an Salpetersäure im Sommer nicht grösser zusein als im Winter, was man nach den häufigeren elektrischen Entladungen im Sommererwarten sollte.
Nach Schönbein, H. Struve, Em. Schöne') sollen die atmosphärischenNiederschläge auch stets Wasserstoffsuperoxyd enthalten. L. Ilosvay deN. Ilosva 2 ) bestreitet dieses und glaubt, dass die für die Gegenwart von Wasser-stoffsuperoxyd geltend geinachten Reaktionen yon der Anwesenheit der salpetrigenSäure herrühren.
Em. Schöne 3 ) weist aber nach, dass die Bedenken von L. Ilosvay nichtstichhaltig sind, und hält seine früheren Behauptungen über das Vorkommen vonWasserstoffsuperoxyd im Reg^n etc. aufrecht.
Auch nimmt das Regenwasser noch andere, in der Atmosphäre vorhandene Be-standteile auf, welche von örtlichen Verhältnissen bedingt sind; so enthält das Regen-wasser an den Küsten und auf den Inseln stets Kochsalz — auB dem Meerwasserdurch Verstäubung desselben herrührend —; ferner findet man besonders in Städtenund Industrie-Gegenden Kohlen theilchen, Schwefelsäure und schwefeligeSäure, die aus dem Rauch stammen, und sonstige bei der Fabrikation sich verflüch-tigenden Erzeugnisse (Zinkoxyd, Bleioxyd, Arsen etc.).
Dass Regenwasser in Industrie-Gegenden unter Umständen giftige Bestandteileenthalten kann, ist eine bekannte Thatsache.
Frankland, Denison und Morton fanden im Mittel von 73 Analysen imenglischen Meteorwasser in 1 1:
Gesammt-llückstand
Chlor
Ammoniak
Stickstoffals Nitrateund Nitrite
0,07 mg
Organischer OrganischerKohlenstoff Stickstoff
Gesammt-Stickstoff
Härtegrad
0,99 mg 0,22 mg 0,71 mg 0,5"
0—16,5 mg, der an festen Stoffen über-*
39,5 mg 6,3 mg 0,50 mg
Der Gehalt an Chlor schwankte vonhaupt von 0,2—85,8 mg.
Robierre fand in Nantes 7,3—26,1 mg, Dalton in Manchester bis 133 mg, dieenglische Fluss-Kommission in Landsend sogar bis 950 mg Chlornatrium in 1 1 Regen-wasser.
Bretschneider giebt als Jahresmittel in Ida-Marienhütte (Schlesien) 8,2 mgorganische Stcffe und 13,2 mg Mineralstoffe in 1 1 an.
Im Nebel der Städte ist die Menge der festen Bestandtheile durchweg nochhöher.
W. J. Rüssel 4 ) sammelte z. B. die festen Rückstände der Nebel in Chelseasowie Kew und fand, dass die Menge der festen Stoffe, auf 1 Acre berechnet, 22 Pfd.im Jahre betragen würde. Die procentige Zusammensetzung des Niederschlagesaus den Nebeln war folgende:
') Berichte d. deutschen ehem. Gesellsch. in Berlin 1874, 7, 1693; 1878 11, 481 u. s. f.a ) Bull. soc. chim. [3j, II, 347, 361, 357 etc.
*) Berichte d. deutschen ehem. Gesellsch. 1893, 26, 3011 u. Zeitsehr. f. anal. Chemie 1894, 33, 137.') Naturw. Rundschau 1892, 175.
87*