Branntweine und Liköre. — Essig.
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Verunreinigungen und Verfälschungen.
Da die Liköre oder Bitteren im höchsten Grade Kunst- und Mischerzeugnisse sind, so kann voneiner Verfälschung nur in dem Sinne die Kedc sein, dass schädliche Stoffe (z. B. schädliche Farb-und Bitterstoffe) oder statt echte unechte, minderwerthige Bohstoffe zu denselben verwendet undletztere unter der eingebürgerten Bezeichnung der Getränke aus echten Stoffen vertrieben werden.Dieses ist z. B. der Fall, wenn sog. Goldwasser anstatt mit echtem, mit unechtem Blattgold (be-stehend aus 28,5% Zink und 71,5 % Kupfer) verkauft wird. Kupfer und Zink sind in diesem Falleals gesundheitsschädliche Substanzen anzusehen. Die Verunreinigungen des Spiritus können dieselbensein, wie bei den gewöhnlichen Branntweinen.
Als bedenklich gelten bei den Bitter-Likören die Bitterstoffe: Aloe, Gnmmi-G utti, Lärchen-schwamm, Sennesblätter etc.
Im Eier-Kognak sind an Stelle von Eiern bezw. Bohrzucker kondensirte Magermilch, Hühner-ei weiss sowie Stärkekleister und Stärke syrup gefunden worden'). Juckenack fand in einem mitHühnereiweiss und Stärkesyrup versetzten Eier-Kognak 15,17 g Alkohol, 65,85 g Extrakt, 2,04% Stick-stoff-Substanz, aber nur 1,42% Fett, 0,248 g Mineralstoffe und nur 0,045 g Lecithinphosphorsäure.
Auch können aus den Aufbewalirungsgefässen Verunreinigungen in das Getränk gerathen. Sohatte nach Stockmeyer") ein in einer Feldflasche aus verzinntem Eisenblech aufbewahrter Kognakin 100 com aufgenommen :
0,0174 g Blei, 0,045(1 g Zinn und 0,1622 g Eisen. Sowohl die Verzinnung wie das Loth ent-hielt Blei und Zinn.
Die Verwendung von Saccharin als Süssmittel an Stelle von Zucker ist jetzt verboten.
Essig.
Der Essig dient als Gewürz- (bezw. Genuss-) und Frischhaltungsmittel. Erwird technisch auf zweierlei Weise gewonnen, nämlich entweder durch Oxydation desAethylalkohols oder durch trockne Destillation des Holzes.
1. Essig-Gewinnung durch Oxydation des Aethylalkohols
(JEssigsäure-Gähvung). Dieselbe kann wiederum auf zweierlei "Weise er-reicht werden, nämlich durch Uebertragung des Sauerstoffs auf den Aethylalkoholmittels kräftig oxydirender chemischer Mittel (Braunstein oder Kaliumbichromatund Schwefelsäure, auch Piatinmohr u. A.). Die Oxydation verläuft hierbei in zweiAbschnitten nach den Gleichungen:
C 2 H 5 -OH+ O = CH, • COH + H,0 und OH, • COH + 0 = CH,-COOH
Alkohol + Sauerstoff = Aldehyd + Wasser Aldehyd -f- Sauerstoff = Essigsäure.
Dieses Verfahren wird aber technisch nicht angewendet; hier erreicht man dieOxydation durch die Essiggäbrung, bei welcher die Essigbakterien die Ueber-tragung des Sauerstoffs wenigstens zum Theil bewirken.
Unter „Essig als Genuss- und Frischhaltungsmittel versteht man das durchdie sog. Essiggährung aus alkoholischen Flüssigkeiten oder durchVerdünnung von Essigsprit mit Wasser gewonnene, bekannte sauere Er-zeugniss". Je nach der Art der verwendeten alkoholischen Flüssigkeiten bezw. je nachdem .Rohstoff, aus welchem der Alkohol gewonnen wurde, unterscheidet man: Brannt-weinessig (Spritessig, Essigsprit), Weinessig, Obstessig bezw. Obstwein-
') Vergl. Kickton, Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahnmgs- u. Genussmittel 1902, 5, 554 u.B. Frühling, ebendort 1300, 3, 718.
") Bericht über die 9. Versammlung der bayerischen Chemiker 1890, 29.KBnig, Nahrungsmittel. 11. 1. Aufl. 86