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Alkoholische Getränke.
vor; aber diese lassen sich nicht immer durch die Chloroformprobe erkennen, weilin den Getränken gleichzeitig eine Substanz vorhanden ist, welche der Ausdehnungdes Chloroforms entgegenwirkt, und nach W. Fresenius eine „negative Steighöhe"verursacht. Diese Substanz hinterbleibt, wie K. Windiscb angiebt, nach dem Ver-dunsten des Chloroforms als unverseifbarer, terpenartiger Körper, welchem der eigen-artige Geruch des Rums bezw. des Arraks anhaftet. Es darf nach den Beobachtungenwelche bezüglich der ätherischen Oele auf die Steighöhe des Chloroforms — vergl.Bd. III — gemacht worden sind, angenommen werden, dass dieser Körper die Ur-sache der negativen Steighöhe ist.
Nachmachungen und Verfälschungen des Rums.
Bezüglich der Frage der Nachmachungen und Verfälschungen des Eums kommen in Betracht:
1. Das Verschneiden des Bums mit "Wasser oder Sprit:
a) Das Verschneiden bezw. Verlängern mit Wasser. Wenn ein durch Wasser verlängerterRum als echter Original-Jamaika- etc. Bum zu dem Preise des echten unverschnittenen Bums verkauftund dem Verschnitt gleichzeitig durch Auffärben mit Karamel die Farbe des Original-Rums ertheiltwird, so ist dieses wohl unzweifelhaft einer Verfälschung gleich zu erachten. Wenn dagegen derOriginal-Rum (von z. B. 75 Vol.-% Alkohol) durch Wasser bis zu etwa 50Vol.-°/ 0 verlängert und als echterBum oder Jamaika-Bum verkauft wird, gleichzeitig aber aus dem niedrigen Preise zu ersehen ist, dasskein Orieinal-Bum vorliegen kann, so dürfte das nach den gegenwärtigen Handelsgebräuchen nichtstrafbar sein, da für den direkten Genuss überhaupt eine Verdünnung mit Wasser auf irgend eineWeise vorgenommen zu werden pflegt.
b) Verschneiden bezw. Verlängern mit Sprit. Eine in sehr ausgedehntem Masse aus-geübte Behandlung ist das Verschneiden bezw. Strecken des Rums mit verdünntem Weingeist. Ver-schnittwaare, wird unter Anderem auch dadurch hergestellt, dass man echten Bum mit verdünntem, ambesten aus Kolonial-Syrup gewonnenen Weingeist gemeinsam destillirt und das Destillat mit Karamelnnter Zusatz von Katechutinktur färbt. Benutzt man Kartoffelsprit, so bringt man etwas geraspeltesCedernholz in die Destillirblase; das in dem Cedernholz enthaltene ätherische Oel geht mit denDämpfen über und trägt wesentlich zur Erhöhung des Bainbouquets bei. Diese Art „Verschnitt" istanders zu beurtheilen, als die Verlängerung mit Wasser allein.
Durch den gleichzeitigen Spritzusatz erlangen die Rumbestandtheile nicht nur eine Verdünnung,wie beim alleinigen Zusatz von Wasser, sondern eine wesentliche Veränderung in ihrem natürlichenMischungsverhältniss, abgesehen davon, dass der zugesetzte Sprit auch mehr oder weniger „unreineStoffe" enthalten kann. Ein derartig verschnittener Bum sollte durch irgend eitle Bezeichnung oderBemerkung von dem echten Bum, z. B. als jVerschnittrum" oder „ordinärer Bum" etc. unterschiedenwerden.
Freilich ist auch hier der gleichzeitig niedrigere Preis gegenüber demjenigen echter Waare nichtausser Acht zu lassen. Wer den Inhalt einer Flasche „Butn" mit einer Mark bezahlt, der hat sich,wie H. Fleck in seiner „Chemie im Dienste der öffentlichen Gesundheitspflege 1882", S. 97 bemerkt,nicht zu beschweren, wenn die chemische Untersuchung ein Kunsterzeugniss ergiebt.
2. Herstellung von Bum aus Rübenzu cker-Mel asse. Auch diese Art Rum-Bereitungmuss oder kann als eine Nachmachung angesehen werden. Man hat nämlich versucht, auch ausRübenzucker-Melasse Rum herzustellen, und hat man dabei aulanglich angenommen, dass die Ruin-gährung in erster Linie von dem Vorhandensein eines eigenthümlichfn Fermentes abhänge.A, Herzfeld') hat aber durch eingehende Versuche festgestellt, dass weniger die Hefenart als dieBeschaffenheit des Dunders für die eigenartige Rumerzeugung von Belang ist, indem die Menge derSäureäther davon abhängt, wie viel flüchtige, freie organisene Säure die Maische enthält. Die Fer-mente als solche. ■/.. B. das Buttersäure-Ferment, wirken für die Gährung des Dunders sogar sehr
') Zeitschr. f. Zuckerindustrie 1890, 40, 645.