1336
Alkoholische Getränke.
i-.
Die zuerst übergehenden Destillationserzeugnisse enthalten ein G-emisch vonAcetaldehyd, Essigsäure-Aethyläther sowie Aethylalkohol und heissen „Vorlauf (dersog. „Aether" der Raffineure). Dann folgt der „Feinsprit'', dessen erste Destil-lationsantheile noch etwas Acetaldehyd, dessen letzte Destillationsantheile schon höhersiedende Alkohole enthalten, während die mittleren Antheile die reinsten sind. Der„Nachlauf" besteht aus einem Gemisch von wenig Aethylalkohol mit grossen Mengender höher siedenden Alkohole, besonders des Amylalkohols (Fuselöls); der grössteTheil des letzteren bleibt jedoch mit dem Wasser (und Furfurol) in dem Rektifika-tionsapparat zurück.
Als Rektifikationsapparate sind in Gebrauch der Savalle'sche, der Glockenrekti-fikationsapparat von C. Heckmann, der Niederdruckrektificirapparat nach F. Pampeu. A.; der Ilges'sche Feinsprit-Automaty. liefert unmittelbar aus der Maische Feinspritund Maische. Bezüglich der Einrichtung dieser Apparate vergl. M. Märcker:„Handbuch der Spiritusfabrikation".
Nach einem amerikanischen Vorschlafe soll man faselfreien Rohsprit erhalten, wenn man derMaische eine geschmolzene Masse von % Magnesiumkarbonat und '/ 3 Kaliumsalpeter zusetzt.
Die geschmolzene Masse enthielt in einem Falle 26,46% K ; ,0, 45,32% MgO, 7,71% C0 2 ,14.72% N 2 0 5 und 1,75% N 2 0 3 . Die Wirkungsweise dieser Masse ist noch nicht aufgeklärt. Siedürfte wohl nur darin bestehen, dass die freie Magnesia bezw. die salpetrige Säure die Bildung derNebenerzeugnisse bei der Gährung, also auch die des Fuselöles verhindert.
b) Die sonstigen Verfahren zur Entfuseluug beziehen sich iudess auf den de-stillirten Spiritus und hat in dieser Hinsicht die Holzkohle — und zwar ausweichem, harzfreiem Holz, wie Lindenholz — die älteste und weiteste Verbreitunggefunden. Die Holzkohle besitzt nämlich die Eigenschaft, einerseits riechende undfärbende Substanzen zu absorbiren, andererseits viel Luft auf sich zu verdichtenund in Folge dessen oxydirend zu wirken. Der zu reinigende Spiritus wird auf50—60° Tralles verdünnt, durch die Holzkohle filtrirt und dann womöglich rektiS-cirt. Vielfach lässt man auch den Spiritus von obiger KoDcentration gleich bei derDestillation ein Holzkohlefilter durchlaufen oder leitet die Dämpfe über Kalk undKohle oder durchmischt die Kohle mit nussgrossen Stücken eines Glüherzeugnissesaus Manganoxyden, Kalk (bezw. Alkalikarbonaten). Die benutzte Holzkohle kannnach dem Abdämpfen des Spiritus durch Glühen in Oefen oder mit überhitztemWasserdampf wieder regenerirt werden, wobei man mitunter vorher Braunstein undSchwefelsäure zumischt. Zur Zeit wird der Holzkohle nicht mehr die reinigendeWirkung zugeschrieben, wie früher.
Zur Entfernung der Säuren aus dem Spiritus werden Aetznatron, Soda oderKalkmilch angewendet.
Als Oxydationsmittel für die Nebenerzeugnisse wie Aldehyd werden vor-geschlagen: Salpetersäure, Silbernitrat, Chlorkalk, Kaliumbichromat und Schwefelsäure,Chamäleon, Hyperoxyde, Blei-, Baryum-, Strontium- und Wasserstoffsuperoxyd etc.
Auf einer oxydirenden Wirkung beruht auch wohl die Reinigung durch Elektri-cität, indem man durch einen elektrischen Strom ozonisirte Luft bereitet unddiese durch den Spiritus presst (Patent R. Eisenmann in Berlin).
Deininger behandelt den zu reinigenden Spiritus in Dampfform mit einerGlycerin enthaltenden Lösung von Bleisuperoxyd und Kalilauge, wodurch die denAethylalkohol begleitenden höheren Alkohole Amyl-, Butyl- und Propylalkohol in dieentsprechenden Fettsäuren umgewandelt und als solche zurückgehalten we den sollen.