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Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
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Künstliche Sfissstoffe.

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charin in Mengen, wie es zur gewöhnlichen Versüssung von Speisen und Getrunken nöthig ist,weder die diastatische Wirkung von Speichel noch die peptonisierende Wirkung des Magen-saftes au beeinträchtigen Eine gleiche Wirkungslosigkeit behaupten Burkard und Seifert"),welche das Verhalten des Saccharins gegen Hefe prüften. Reinstes, 100 procentiges Saccharinwirkte 5-mal schwächer antiseptisch als Salicylsäure und zeigte weder die p-Sulfaminbenzoe-säure noch deren Natriumsalz noch das lösliche Saccharin (das Saccharinnatriuui) eine fürdie Praxis in Betracht kommende antiseptische Wirkung. E. Riegier 2 ) dagegen gelangt zufolgenden Ergebnissen: 1. 0,05 % Saccharinum purum oder solubile beeinflussen die Pepsin-Verdauung nicht, 0,5 "a schwächen dieselbe, heben s^e aber nicht auf; 2. 0,5 % Saccharinumpurum, nicht aber die gleiche Menge Sacch. solubile hebt die Ptyalinwirkung auf; 3. 0,05%Sacch. purum hebt die Wirkung der Diastase nicht auf, wohl aber t),l % desselben, währendselbst 0,4% Sacch. solubile ohne Einfluss sind.

Nach J. Saleski 8 ) vermindern die wässerigen Lösungen Mm allen künstlichen Hilfs-stoffen, wie Zuckeriii, Sulfimid und Krystallose die verdauende Wirkung des Magensaftesbedeutend, dagegen die des Pankreassaftes weniger. Die Lösung der Stärke durch Enzymewird nicht beeinflusst; die fettzersetzende Wirkung des Pankreassaftes wird erhöht.

L. Nencki') sowie F. Bolioh 5 ) leugnen wiederum jede schädliche Einwirkung desSaccharins auf. die Verdauung; sowohl die Pepsin- wie die Pankreatin-Verdauung- wird nachdiesen Versuchet) durch Saccharin in geringerem (frade beeinträchtigt, als durch eine Zucker-menge von gleicher Süssigkeit.

Wie wir aus dieser Litterstnr-Liehersieht ersehen, haben die über die physiologischeWirkung des Saccharins angestellten Versuche zu sehr verschiedenen Ergebnissen geführt.Ein Theil der Widersprüche findet ohne Zweifel darin seine Erklärung, dass man mit. ver-schiedenen Saccharin-Präparaten, nämlich dem gewöhnlichen Saccharin von saurer Beschaffen-heit und mit dem neutralen Saccharinnatrium gearbeitet hat. In anderen Fällen, wo maudie Versuche an Menschen oder Thieren angestellt, hat, mag die Individualität eine Rollemitgespielt habeu. Jedenfalls lässt sich soviel aus den Versuchen sehtiessen, dass

1. das Saccharin bezw. Saccharinnatrium nicht in den Stoffwechsel eintreten, sondernals solche, vorwiegend im Harn, wieder ausgeschieden werden. Aus dem Grundekann das Saccharin bezw. das Saccharinnatrium, abgesehen davon, dass wegen dergrossen Süssigkeit nur äusserst geringe Mengen aufgenommen werden können, nichtals Nährstoff, wie der Zucker angesehen werden.

2. schädliche Nebenwirkungen unter Umständen nicht ausgeschlossen sind, besondersdie Verdauung, wenn auch nur in geringem Grade, nachtheilig beeinträchtigtwerden kann, in dieser Hinsicht wirkt ohne Zweifel das einfache, schwer löslicheSaccharin nachtheiiiger, als das leicht lösliche Saccharinnatrium.

Das Saccharin bezw. das Saccharinnatrium ist in erster Linie als Medikament auf-zufassen uud mag bei verschiedeneu Erkrankungen des Verdauungskanals, bei Diabetes undFettleibigkeit, in welchen Fällen Zucker in der Nahrung nicht angezeigt ist, als Versüssungs-mittel gute Dienste leisten; wenn mau es aber allgemein als Versüssungs-, gleichsam alsGemissmittel ohne weiteres zulassen wollte, so würde das zu grossen Täuschungen und Ueber-vortheilungen, besonders hei den Speisen und Getränken, in denen man als Süssmittel all-gemein Zucker vorauszusetzen gewohnt ist, Veranlassung geben.

Mit vollem Recht ist daher, das Gesetz vom 6. Juli 1898, wonach der Zusatz künstlicherSüssstoffe bei gewerbsmässiger Herstellung von Bier, Wein oder weinäh n liehen Ge-tränken, von Fruchtsäften, Konserven und Likören, sowie von Zucker- oder

') Pharm. Centralhalle 1895. 36, 365.z ) Arch. des Soc. biolug. St. Petersburg 1895, 35, 306.) Nach Pharm. Journ. 1898, 20, 341 in Chem.-Ztg. 1898, 22, Rep. 236.*) Zeitschr. f. Untersuchung der J\ahrungs- und Genussnnttei 1900, 3, 362.'; Chem.-Ztg. 1900, 24, 416.König, Nahrungsmittel. II. 4. Aufl.

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