Druckschrift 
Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
Entstehung
Seite
1008
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1008

Die pflanzlichen Nahrungs- und ßenussmittel.

aucli die Magenverdauung bedeutend verlangsamt, indem Protein bei Gegenwart von Sac-charin erst nach 4 Tagen gelöst wurde, während ohne dasselbe schon nach 4 Stunden eineVeränderung bemerkbar wurde.

Plugge beobachtete aber auch, dass in dem Gemisch von Stärke und Speichel, wenner neutralisirtes Saccharin anwendete, sich ebenso schnell Zucker nachweisen Hess, als inder saocharinfreien Mischung. Diese Beobachtung hat durch weitere Untersuchungen Be-stätigung gefunden.

Petschek und Zerner 1 ) zeigten nämlich, dass reines Saccharin die Umwandlung derStärke durch Ptyalin beeinträchtigt; die schwächende Wirkung auf die Aniylolyse beginntschon hei Gegenwart von 0,05 % Saccharin bei Diastase scheint die Grenze noch um0,01-0,02% niedriger zu sein, bei Gegenwart von 0,25% hört der Hydrolisirungsvorgangvollständig auf; bei Anwendung von neu tralisirten Saccharinlösungen dagegen oder heiAnwendung des Saccharinnatriums tritt keine Hemmung ein. Ebenso zeigten Versucheüber Pepsin -Verdauung an Lebenden, wie über die "Wirkung des Pankreasextraktes aufStärke bezw. über die Wirkung des Trypsins, dass nur die saure Keaktion des Saccharinsvon Einfluss ist. Die Versuchsansteller beobachteten ferner keinen Einfluss des Natrium-Kalzes auf Respiration, Puls oder Niere und fordern, dass das Saccharin nur in Form desNatriumsalzes angewendet werden soll.

Mit diesen Ergebnissen stehen Versuche von E. Salkowski 2 ) in vollem Einklänge.

Zum Nachweis, dass die Gegenwart von Säuren überhaupt die Lösung der Stärke ver-hindert, stellte Salkowski Versuche mit Salzsäure, Essigsäure und Weinsäure an. Derselbefindet, dass von einer 0,28 proceutigen Salzsäure % cem auf 10 com Stärkekleister, dem 1 cemSpeichel zugesetzt war, die Wirkung des Speichels vollkommen aufhebt. Mit organischenSäuren wurden ähnliche Ergehnisse erhalten, jedoch auch festgestellt, dass die hemmendeWirkung der Säuren eine verschiedene ist, und dass diese nicht von der Acidität und derGrösse des Molekulargewichtes abhängt, sondern von der Natur der Säure bedingt ist.

Bei Vergleich des Saccharins mit Weinsäure, d. h. unter Anwendung gleicher Mengendieser Körper auf Stärke bei Gegenwart von Speichel, wurde gefunden, dass das Saccharinin der Verdünnung vou 1 : 5000 kaum noch hemmend einwirkt, während die Weinsäure indieser Verdünnung sich noch von erheblichem Einfluss zeigt.

Nach diesen Versuchen ist die hemmende bezw. verzögernde Wirkung des Saccharinsauf die Stärkeverdauung eine reine Säurewirkung, und manchen Säuren in unseren Nahrungs-und Genussmitteln kommt diese Wirkung in höherem Grade zu, als einer ziemlich kon-centrirten Saccharinlösung.

Auch auf die Pepsin -Verdauung erwies sich das lösliche Saccharin (Sacchanunatriuin)wirkungslos oder sogar von geringerem störenden Einfluss als eine Zuckerlösung von gleicherSüssigkeit.

In derselben Weise äussert sich C. Kornauth 3 ); er konnte nach Verfütterung von1 ö s 1 i n h e m, d. h. Saccharinnatrium, an einen Hund, eine Ente und an ein Schwein selbstwährend längerer Zeit und in grossen, unnatürlichen Mengen weder eine allgemeine Schädi-gung des Organismus, noch eine Beeinträchtigung der Ausnutzung des Futters feststellen,aber ebensowenig eine Erhöhung derselben, wie sie N eh am in der Königl. Ungar. Akademied. Wissenschaften (nämlich um 20% für die Protein-Verdauung) behauptet hat. Dagegenkommen dem Saccharinum purum Fahlberg nach C. Kornauth schwache antiseptische Wir-kungen zu, z. B. für Bierhefe bei 0,1 % Saccharinum purum und 0,2 % Sacch. solubile, währendnach Versuchen in der Versuchs-Station Klosterneuburg die Gährung der Weinhefe schon mit0,05% Saccharin unterdrückt werden soll. Nach J. Huygens (1. c.) vermag reines Sac-

') Centr. Bl. f. ges. Therap. 1899, Heft 6.

2 ) Archiv f. pathol. Anatomie 1890, 120, 325.

3 ) Landw. Versuchs-Stationen 1891, 38, 241.