Künstliche Süssstoffe.
1007
derartig versüssten, dass die Thiere die Nahrung verschmähten und selbst beim quälendstenHunger nicht zu bewegen waren, die Nahrung zu sich zu nehmen.
A. Stift 1 ) fand eine tägliche Gabe von 0,4 g Saccharin bei Kaninchen schädlich bezw.tödtlich, während C. Kornauth 2 ) beobachtete, dass 1100 g schwere Kaninchen nach täg-lichen Gaben von 3 g reinem Saccharin am dritten Tage unter diarrhöischen Erscheinungenerkrankten und am siebenten Tage verendeten. J. Huygens') fand die giftig wirkendeGabe des Saccharins bei intravenöser Injektion zu 1—2 g für 1 kg Körpergewicht Kaninchen.In anderen Fällen vertrugen aber Kaninchen ohne Anstand täglich 2—6 g Saccharin undkonnte Bouchard Kaninchen 1,25 g Saccharin ohne Nachtheil direkt in die Blutbahn ein-führen und 5 g täglich ohne Nachtheil verfüttern.
Auch hier scheinen also für die ersten giftigen Wirkungen besondere Ursachen, ausserIndividualität (vielleicht zu grosse Gaben im Anfange oder auch die verschiedene Form bezw.der Reinheitsgrad des Saccharins), mitgespielt zu haben.
Für den Menschen werden als besondere Nebenwirkungen von A. Stift (1. e.), Born-stein 4 ) u. a. diarrhöische Entleerungen hervorgehoben. J. Huygens (I.e.), sowie K. B.Lehmann und Fr. Jessen 5 ) u. a. leugnen aber auch solche Wirkungen beim Menschen.Tägliche Gaben von 0,1—0,2 g Saccharin — Saccharinnatrium — äusserten während einesdreimonatigen Gebrauches weder bei kräftigen Männern noch bei Kindern schädliche Wir-kungen; selbst grosse einmalige Mengen von 5 g hinterliessen weder bei Menschen noch beiThieren irgend welche Störungen.
In umfangreichster Weise ist die Wirkung des Saccharins auf Enzyme untersucht,aber ebenfalls mit sich z. Th. widersprechenden Ergebnissen. A. Stutzer") beobachteteanfänglich keine, später eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der Pepsin -Verdauung beieiner Menge von 0,25—0,5 g Saccharin in 500 cem Magensaftlösung; 0,05 g waren, ohneWirkung.
Zu denselben Ergebnissen gelangte A. Stift (1. c.) sowohl bei der künstlichen Ver-dauung mit Pepsin und Pankreatin, als auch in natürlichen Ausnutzungsversuchen mitKaninchen. Durch tägliche Gaben von 0,1—0,4 g Saccharin an ein rund 1300 g schweresKaninchen wurde die Ausnutzung sämmtlicher Nährstoffe, besonders die des Fettes beein-trächtigt. Die von Jaksch angestellten und von C. Bornstein') wiederholten Stoffwechsel-versuche lassen ebenfalls ein« Schädigung der Ausnutzung und der Arbeitsleistung erkennen.Nach Bruylants (1. c.) dagegen wird die Pepsin-Verdauung durch Saccharin nicht, diePankreas -Verdauung erst bei mehr als 1 % herabgesetzt bezw. verlangsamt. Die alkoholische,Essigsäure- und Milchsäure-Gährung wird nach Bruylants durch Saccharin in Mengen unter2,5% nicht verhindert.
Auch S. Savitzki 8 ), ebenso K. B. Lehmann und Jessen (1. c), glauben aus ihrenVersuchen schliessen zu müssen, dass das Saccharin keinen Einfluss auf die Verdauung,besonders der Milch, ausübt. Dasselbe war nach letzteren Versuchsanstellern ohne Einflussauf die Verzuckerimg der Stärke durch Ptyalin und nur von geringer verzögernder Wirkungauf die Peptonisirung des Proteins. Das reine Saccharin dagegen äusserte in geringemGrade die Fähigkeit, Lehens- und Fäulnisspilze in ihrer Lebensthätigkeit zu hemmen.
Im Gegensatz zu diesen Versuchsergebnissen behauptet P'lugge 0 ) wieder, dass dasSaccharin schon in 0,3procentiger Lösung die Wirkung des Ptyalins vollständig aufhebt und
') Oesterr.-TTngar. Zeitscbr. f. Zuckerindustrie und Landw. 1899, Heft I und Heft VI.
2 ) Landw. Versucns-Stationen 1891, 38, 241.
") Hygien. Bundschau 1891, 1, 234.
') Klin. tberap. Wochenschr. 1898, 587.
*J Archiv f. Hygiene 1890, 10, 64.
*) Landw. Versuchs-Stationen 1891, 38, 63.
') Zeitschr. d. Vereins f. Rübenzucker-Ind. 1899, 315.
8 ) Journ. de Pharm, et de (Jhim. 1888 [5], 18, 327.
") Weeckbl. von het Nederl. Tijdschr. vor Geneesk. 1888, 2, No. 25.