210 Veränderungen der Nährstoffe durch die Verdauung und ihre Aufgabe für die Ernährung.
Gesamintstimnnuig, in der trir uns befinden, ist von Wichtigkeit, bei Aerger oder Kummer bekommtuns das Essen nicht; ein mit lachenden Kindern und guten Freunden besetzter Tisch dient auch alsGenussmittel; wir rerdauen gewiss nudeis bei i.ussich1 in ''ine beitere Gegend, als auf Kerker undKlostermauern."
Ausser diesen Genussmitteln, welche durch ihre wohlthätige Einwirkung auf dieGeruchs- und G escb in ack.s-Nerven und ferner auf die Drüsen-Thätigkeit derVerdauungs-Organe eine erhöhte Verdauung und Ausnutzung der Nahrung hewirken unddamit ihre Aufgabe verrichtet haben, giebt es verschiedene andere, welche durchihren Reiz zunächst auf das Oentralnervensystem und von da aus auf besondereNerven erst nach dem TJebertritt in das Blut zu wirken beginnen. Dazu gehören:Fleischextrakt, Kaffee, Thee, Bier, Wein. Auch der Tabak gehört zudieser Art Genussuiitteln, welche einmal durch den erregenden Einfluss auf die Nervendie geistige und körperliche Thätigkeit erhöhen, daun auch (wie der Tabak) dasGefühl des Wohlbehagens bei uns hervorrufen. Der wirksame Stoff in diesen Genuss-uiitteln sind hei Fleischextrakt, Kaffee, Thee und Tabak Alkaloi'de neben flüch-tige?; Oelen, bei Eier und Wein Alkohol und Aetherarten. Ob die Extraktiv-stoffe derselben in ahnlicher Weise wirken, erscheint noch zweifelhaft (vergl. weiterunten über den Einfluss von Alkohol und Kaffee etc. auf den Stoffwechsel).
Eine, dieser: Genussmitteln gemeinsame wohlth itige Wirkung besteht auch darin,dess sie einen schnelleren Blutumlauf hervorrufen. In Folge von körperlicheroder geistiger Thätigkeit sammeln sich in den Muskeln und Organen eine MengeZersetzungsstoffi an, welche schliesslich zur Erschlaffung d"i thätigen Organe unddes: ganzen Kci pars führen. Durch den Kreislauf des Blutes werden diese in denOrganen abgelagerten und ermüdenden Stoffe fortgenommen und denselben wiederneue Zersetznugsmasse für weitere Arbeitsleistung zugeführt. Je rascher das Blutden Organen zu trömt, desto schneller werden sie wieder leistungsfähig.
Auf diese Weise erhalten diese Art Genussmittel eine hohe Bedeutung in unsererNahrung, einen Werth, der sie hoch über die direkten Nährstoffe stellt.
„Der Mensch", igt v. Pettenkofer, „hängt so sehr von Genussmitteln der verschiedenstenArt ab und zwar nicM bloss für Zwecke der Verdauung und Ernährung, sondern auch noch fürzahlreiche Nerventhätigkeiten ü ganz anderen Richtungen, dass er dafür, um «ich dieselben zu ver-schaffen, gern etwas Geld opfert c-lv: bezahlt. Wi.' irieli verzichten nicht auf ein Stück Brot, nrnsich eine Tasse Kaffee oder Thee "\ eini Prise Tabak, eine Cij irre, ein Glas Bier oder'Wein zu sichern,wenn ihnen die Wahl gelassen wird obwohl ein Stück Brot zum Fett- und Eiweissersatz am Körperbeiträgt und die genannten Genussmitte] nicht.' 1
,. Die Genussmittel sind wahre Menschenfreunde, sie helfen unserem Organismus über mancheSchwierigkeiten hinweg. Ich möchte sie mit der Anwendung der richtigen Schmiere bei Bewegungs-uiasehmon vergleichen, weicht zwei nicht die Dampfkrafl ersetzen und entbehrlich machen kann, aberdieser »a einer viel leichteren und regelmässigeren Wirksamkeit verhilft und ausserdem der Abnutzuugder Maschine ganz wesentlich vorbeugt. Um letzteres thnn zu können, ist bei der Wahl der Schmier-mittel eine Bedingung unerlässlich: sie dürfen die Maschinentheile nicht angreifen, sie müssen, wieman »agi unschädlich sein. 1 '
Ose Verdauung schädigende Mittel.
Werden vorstehende Genussmittel in zu starken Gaben genommen, so sehlägtihre vorteilhafte Wirkung in das Gegentheil um. Die Geschmacksnerven und die Driisen-
') Nach 0. Schultz - Schultzenstein (Zeitschr. f. physiol. Chemie 181U, 18, 131) wirkteKaffee- und Theeaufguss hemmend auf die künstliche Verdauung von Proteinstoffen.