Die Verdauung.
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anders erwartet werden kann, wohl Pepsin, aber keine Salzsäure im Magensaft auf.Verabreicht man statt Chlornatrium, Brom- oder Jodnatriura, so tritt statt Chlor-wasserstoffsäure Brom- bezw. Jodwasserstoffsäure auf. Dieser Umstand beweistallerdings noch nichts für die Entstehung der freien Salzsäure im Blut und mussdieser Vorgang noch als dunkel bezeichnet weiden.
Der von Salzsäure sauere Magensaft kann ziemlich lange Zeit ohne Zersetzungaufbewahrt werden; wird dagegen die Salzsäure neutralisirt, so tritt alsbald Gährunga uf, bei welcher Milchsäure und andere organische Säuren gebildet werden; bei einemGehalt von 0,07—0,12 °/ 0 freier Salzsäure fällt der Magensaft noch keiner Milchsäure-gährung anheim. Aus dieser Beobachtung schliesst man, dass die Milchsäure imMagen erst entsteht, wenn keine oder nur sehr wenig freie Salzsäure vorhanden ist,basonders auch bei krankhaften Zuständen (chronischem Magenkatarrh), wobei nebenMilchsäure auch flüchtige Fettsäure, Essigsäure etc. und Gase wie Wasserstoff gebildetWerden, welche Zustände sich durch Aufstossen, Sodbrennen und andere Anzeichenz <i erkennen geben.
Der antiseptischen Wirkung der freien Salzsäure im Magensaft ist es auch zuzu-schreiben, dass gewisse krankheitserregende Bakterien, wie der Cholerabacillus,K e wisse Streptokokkusarten u. a. von demselben abgetödtet weiden; auch auf gewisseJoxalbumine (S. 46) wirkt derselbe abschwächend bezw. vernichtend.
Zur Untereeheidung \on Salzsäure und Milchsäure worden u. a. folgende Reaktionen vorgeschlagen:1. 0,5 g Methylviolett werden in 1 1 Wasser gelöst; setzt man von dieser Lösung einige Tropfenzu einer 1 "/„-igen Salzsäure (10 com Salzsäure auf 1 1 Wasser), so färbt sieh die Flüssigkeit stahl-blau, bei einer 0,8 7o"ig en Milchsäure dagegen rothviolett. 2. Zu 2,0 g Karbolsäure in 100 cemWasser setzt man einige Tropfen Eisenchlorid bis zur bleibenden amethysthlaucu Färbung; letztere^'rd durch obige Salzsäure entfärbt, durch die Milchsäure-Lösung citronengelb.
Am sichersten aber schüttelt man zum Nachweise der Milchsäure iin Magensaft letzteren mitAether aus, verdunstet diesen und prüft den Ruckstand auf Milchsäure.
Von grösster Bedeutung für die Verdauung sind neben der Salzsäure die beidenEnzyme, Pepsin und Chymosin.
Das Pepsin, als das wichtigere von beiden, ist wohl in seiner Wirksamkeit,n 'cht aber in seiner Zusammensetzung näher bekannt. Denn es ist nach denüblichen Verfahren noch nicht gelungen, das Pepsin rein zu gewinnen.
Pekelharing hält das Pepsin für ein Nukleoprotei'd, welches in Wasser undWycerin löslich ist, beim Erhitzen der wässerigen Lösung gerinnt und allmählichZe rstört wird, während es unzerstört in äusserst stai ker Verdünnung wirksam ist.la trockenem Zustande kann das Pepsin sogar auf über 100° erwärmt werden, ohneseine Wirkung einzubüssen. Bei neutraler oder alkalischer Reaktion ist das Pepsinunwirksam; in saurer Flüssigkeit löst es dagegen geronnene Protei nstoffe auf, wobei dieseZu n;ichst aufquellen und durchsichtig werden. Der günstigste Säuregrad beträgt 0,1 bis'^ ö °/o und scheint von allen Säuren Salzsäure die Wirkung am meisten zu unter-nutzen. Mit der Menge des Pepsins und steigender Temperatur bis zu gewissenlenzen nimmt die proteinlösende Wirkung zu; die günstigste Temperatur ist40°. Anhäufung grösserer Mengen Verdauungserzeugnisse hemmen die Wirkung,enso grössere Mengen Alkohol (10% und darüber), Alkaloid-Verbindungen undie tallsalze. während kleinere Mengen Alkohol ohne Einfiuss sind oder kleine Mengen011 Salzen die Verdauung sogar befördern können.