188 Veränderungen der Nährstoffe durch Verdauung und ihre Aufgabe für die Ernährung.
das Gefühl der Befriedigung bei ihrem Genuss, ferner als zweiter Umstand eine Ein-wirkung gewisser chemischer Stoffe auf die Magenschleimhaut. Letztere Wirkungtritt aber gegenüber der ersten, sowohl was Menge und Beschaffenheit (kräftigereWirkung) anbelangt, zurück. Als chemische Reizmittel wirken nach Pawlow 1 ) nurWasser und gewisse noch unbekannte Extraktivstoffe im Fleisch. .Fleischextrakt,wahrscheinlich auch in Milch; kohlensaure Alkalien und Fett hemmen die Saft-absonderung, sowohl was Menge als Enzymgehalt des Saftes anbelangt.
Die Menge wie Beschaffenheit des abgesonderten Magensaftes richtet sich auchnach der Art. der Nahrung, indem z. B. der Säuregehalt bei Fleischnahrung amgrössten, bei Brotnahrung am niedrigsten sein soll, dagegen bei letzterer der En-zymgehalt vorwaltet. Jedoch lauten die Ergebnisse über diese Frage verschieden.
Ueber die Menge des täglich abgesonderten Magensaftes liegen ebenfalls keinesicheren Beobachtungen vor; K. Vierordt schätzt sie auf '' l0 des Körpergewichtes.Auch die chemische Zusammensetzung ist bis jetzt nicht eingehendermittelt, was wohl mit der Schwierigkeit der Gewinnung von Magensaft zusammen-hängen mag; nach einigen Analysen beträgt bei:
Saft aus Pylorus-Drüsen Saft ans Fundus-Drüsen
Spec. Gewicht ........ 1,009—1,010 1,001—1,010
Feste Stoffe ........ 1,05—2,05 "/„ 0,60—2,70 %
davon Mineralstoffe') ..... 0,15 — 0,22 „ 0,12—0,25 „
Der Saft der Pylorusdrüsen (wie schon gesagt von durchweg alkalischerReaktion) ist reich an Mucin und in Folge dessen dickflüssig fast wie eine Gallerte:er enthält aber auch Pepsin (zuweilen auch Salzsäure), wirkt daher ähnlich wie derSaft der Fundusdrüsen auf Protei'nstoffe; seine Wirkung nach dieser Richtung trittaber ohne Zweifel gegen die des Saftes der letzteren Drüsen zurück; dagegen soller abweichend von diesen eine langsame stärkelösende, d. h. verzuckernde Eigen-schaft besitzen.
Von grösserer Bedeutung für die Verdauung ist der Absonderungssaft derFundusdrüsen, der wegen vorhandener freier Säure (Salz- oder Milchsäure) stetseine saure Reaktion besitzt und zwei Enzyme, das Pepsin und Chymosin (Lab)enthält.
Die Säure des Magensaftes besteht unter regelrechten Verhältnissen, wie manjetzt allgemein annimmt, aus Salzsäure. Früher war man der Ansicht, dass durchein Enzym der Magenschleimhaut erst Milchsäure, gebildet werde und diese ausChlornatrium unter Bildung von milchsaurem Natrium Salzsäure frei mache welchevon Protein gebunden und bei der Peptonisirung des Proteins wieder frei werdensollte. Ohne Zweifel entsteht die Salzsäure im Blut und beruht die Absonderungderselben auf einer eigenartigen absondernden Wirkung der Drüsenzellen, ob durcheinfache Diffusion oder sonst wie ist dagegen noch nicht erklärt. Man nimmt mitR. Maly jetzt an, dass die Salzsäure durch Massenwirkung von Kohlensäure aufdas im Blut vorhandene Chlornatrium gebildet wird; denn es findet auch im Mageneines nüchternen oder hungernden Tbieres eine regelrechte Absonderung von Magen-saft statt. Auch wird während der Absonderung eine reichliche Menge Kohlensäurein der Schleimhaut, gebildet. Nach anhaltendem Kocbsalzhunger tritt, wie nicht
x ) Pawlow: Die Arbeit der Verdauungsdrüsen. Wiesbaden 1898.
2 ) Vorwiegend Kochsalz (0,10—0,15%)-