Organische Säuren,
169
aufgenommen, aus dem durch einfaches Abdampfen des Wassers und vollständiges Austrocknen dieGerbsäure als amorphe Masse zurückbleibt.
Die Aufgabe, ein zugleich einfaches und doch genaues Verfahren der quantitativen Bestimmungder Gerbsäure in gerbsäurehaltigen pflanzlichen Nahrungs- und Genussnütteln aufzufinden, ist nochnicht in befriedigender Weise gelöst; denn alle Verfahren leiden an dem Fehler, dass auch andereVerbindungen, welche mit den zu verwendenden Agentien ähnliche "Reaktionen — Füllungen — geben,niit als Gerbsäure bestimmt werden.
lieber die gebräuchlichen Verfahren zur Bestimmung der Gerbsäuren, sowie über die, Eigen-schaften der in Nahrungs- und Genussmitteln vorkommenden Gerbsäuren vergl. die betreffendenAbschnitte: Hopfen, Thee, Kaffee, Eicheln in Bd. I1T.
Organische Säuren.
Zu der Gruppe der sogenannten stickstofffreien Extraktstoffe müssen auch dievielfach im Pflanzenreiche verbreiteten und bei Bereitung der Nahrungsmittel zumTheil verwendeten organischen Säuren, soweit sie nicht Bestandtheile der Fette, d. h.des Aetherauszuges sind, gerechnet werden. Die Zahl der im Pflanzen- und Thier-reich, wie auch in Nahrungsmitteln als TJmwandlungserzeugnisse vorhandenen Säurenist eine so ausserordentlich grosse, dass hier nur die hauptsächlichsten aufgeführtwerden können.
1. Ameisensäure CH 2 0 2 = H • COOH. Dieselbe findet sich im freien Zu-stande in den Ameisen, den Brennstacheln mancher Insekten, den Brennhaaren derNesseln, den Fichtennadeln, im Bienenhonig, Schweiss etc. Ausserdem entsteht die-selbe bei der Oxydation kohlenstoffreicher Verbindungen, wie z. B. des Zuckers, derStärke und auch protei'nartiger Verbindungen. Künstlich wird sie gebildet:
a) durch Oxydation des Methylalkohols bezw. des Formaldehyds:
H • CH.OH + 0 = H • OOH + ILO, H • COH -f 0 = H • COOH;
b) durch Erhitzen von Cyanwasserstoff, dem Nitril der Ameisensäure, mitAlkalien und Säuren:
HON + 2 HsO = H • COOH + NH 3 ;
c) durch Kochen von Chloroform mit alkoholischer Kalilauge:
CHOL, + 4 KOH = rr • COOK -f 3 KCl + 2 ILO ;
d) durch längeres Erhitzen von Aetzkali mit Kohlenoxyd auf 100°, wobeieinfach eine Zusammenlagerung der Moleküle eintritt:
KOH + (0 = H-COOK;ferner aus Chloral, Isocyaniden, Carbylaminen etc.; für gewöhnlich stellt man siü ausOxalsäure durch Erhitzen mit Glycerin her.
Als Aethylester findet die Ameisensäure Verwendung zur Bereitung der künst-lichen Rumessenz.
Die Ameisensäure, eine farblose Flüssigkeit von stechendem Geruch und stark saurem Geschmack,siedet bei 90° und erstarrt unter 0° zu einer krystallinisehen Masse. Sie besitzt die Eigen-schaft der Aldehyde, die edlen Metalle zu Oxydul oder Metall zu reduciren, wobei sie selbst inKohlensäure umgewandelt wird:
H • COOH j- 2 AgNO : , = 2 Ag + 2 HNO, + CO.,.
Auf dieser Eigenschaft beruht sowohl ihr Nachweis wie auch die quantitativeBestimmung derselben.
2. Essigsäure C 9 C 4 0 2 =r CH S • COOH. Die Essigsäure kommt frei und inForm von Salzen im Pflanzen- und Thierkörper selbst nur in verhältnissmässig ge-