Fette und Oele.
105
der Gallensteine, kommt im Blut, Gehirn, in den Vogelauswürfen (Guano), in derRetina des Ochsenauges (0,7 °/ 0 ), in der Milz, also allgemein verbreitet in thierischenFetten und Organen vor.
Das ebenfalls im Wollfett vorkommende Isocholesterin unterscheidet sich vondem Cholesterin durch einen verschiedenen Schmelzpunkt und den Benzoesaureester,ferner dadurch, dass es einige qualitative Reaktionen des Cholesterins nicht besitzt.Es hat gleichen Schmelzpunkt mit dem Phytosterin.
b) Phytosterin C 20 H 44 O. An Stelle des Cholesterins kommt in den Pflanzen-fetten das Phytosterin vor. A. Bömer l ) fand in den Oelen verschiedener OelsamenZwischen 0,23—1,28 °; 0 unverseif'bare Bestandteile, die im wesentlichen aus Phyto-sterin bestehen.
Das in der Samenschale von Phaseolns vulgaris vorkommende Paraphyto-8 1 er in unterscheidet sich von dem Phytosterin der anderen Fette durch einen höherenSchmelzpunkt. Hierher gehören ferner:
c) das Phasol C 15 H 24 0, welches von A. Likiernik 2 ) neben dem Paraphyto-sterin in den Samenschalen von Phaseolus vulgaris gefunden worden ist;
d) das Lupeol C 86 H 42 0, welches nach E. Schulze 3 ) au Stelle von Phyto-sterin in den Samenschalen der Lupinen vorkommt. Auch die beiden letzteren Körpersind alkoholischer Natur.
Man gewinnt diese Verbindungen im allgemeinen in der Weise, dass man dieFette verseift, die Seifen in Wasser löst und diese Lösung mit Aether ausschüttelt.Durch Wiederholung der Verseifung, Ausschüttelung und Umkrystallisirung desRückstandes vom Aetherauszuge aus Alkohol lassen sich die Körper rein gewinnen(vergl. A. Bömer 1. e. u. III. Bd.). Durch Erhitzen mit Benzoesäure im zu-geschmolzenen Rohre auf 200°, durch Erhitzen mit Ameisensäure, Eisessig oder Essig-säureanhydrid sowie anderen Fettsäuren geben sie leicht esterartige Verbindungen,die ebenfalls unterschiedliche Eigenschaften besitzen.
Ich lasse die unterschiedlichen Eigenschaften dieser Alkohole in umstehenderUebersicht (S. 106 u. 107) folgen:
Qualitative Reaktionen auf Cholesterin 4 ): t. Wird eine Spur Cholesterin auf einem Platin-ueckel mit einem Tropfen Salpetersäure zur Trockne verdampft, so erhält man einen gelben Fleck, welcherheim Uebergiessen mit Ammoniak gelbroth wird, darauf folgender Zusatz von festem Alkali bewirkt keineVeränderung (Unterschied von Harnsäure). 2. Wird eine Probe Cholesterin auf einem PlatindeckelMit einem Tropfen eines Gemisches von 8 Vol. konc. Salzsäure und 1 Vol. Eisenchloridlösung zu-sanmiengerieben und vorsichtig zur Trockne verdampft, so nehmen die ungelöst gebliebenen Stückcheneine violettrothe, dann ins Bläuliche sich ziehende Färbung an. 3. Löst man einige CentigrammCholesterin in Chloroform, fügt ein etwa gleiches Vol. konc. Schwefelsäure zu und schüttelt durch,s o färbt sich die Chloroformlösung schnell blut-, dann schön kirschroth bis purpurn und diese Farbehält sich tagelang unverändert. Die unter dem Chloroform befindliche Schwefelsäure zeigt eine starkegrüne Fluoreseenz. Giesst man einige Tropfen der rothen Chloroformlösung in eine Schale, so färbtSl « sieh sehr schnell blau, dann grün, endlich gelb. Verdünnt man die purpurfarbene Chloroform-lösung, die über der Schwefelsäure steht, mit Chloroform, so wird sie fast farblos oder stahlblau,
*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genussmittel 18!>8, 1, 21 u. 81.
a ) Zeitschr. f. physiol. Chemie 1801, 15, 426.
*) Ebendort 415 u. Lamiw. Versuchsstationen 1889, 36, 411.
*) Vergl. E. Schulze: Journ. f. prakt. Chem. 187.'!, 115, 1G4, E. Salkowski: Zeitschr. f.anal. Chem. 1887, 26, 560 und Liebermann: Berichte d. deutschen chem. Gesellschaft 18,85,l %, 1804.