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Die chemischen Verbindungen dev Nahrungs- und ßenussmittel.
Blutvergiftung oder gar den Tod eines Menschen zu bewirken, so liegt es nahe, daseigentliche Gift in enzymartigen Verbindungen zu suchen, weil diese in geringsterMenge grosse Massenzersetzungen einzuleiten im Stande sind, ohne selbst durch dieZersetzung eine Einbusse zu erfahren (vergl. S. 50 u. 52).
Chodunsky 1 ) ist der Ansicht, dass die Fäulnissgifte Nitrile sind, die sichaus den Cyanabkömmlingen der Protei'nBtoffe bilden; so erwies sich das a-Aniino-propionitril CH 3 CH(NfT.,)^CN als ein heftiges, der Blausäure ähnliches Gift. DieseAnsicht hat aber bis jetzt keine weiteren Vertreter gefunden.
Ueber den Nachweis und die Trennung der Fiiulnissalkaloi'de (Ptomaine) vergl.III. Bd. unter Untersuchung von verdorbenem Fleisch.
13. Sonstige Stickstoffverbindungen des Thier- undPflanzenreiches.
Ausser den vorstehenden theils im ursprünglichen Zustande theils als Spaltungs-stoffe der Proteine im Thier- und Pflanzenreich vorkommenden Stickstoffverbindungen,die sich in bestimmte Gruppen unterbringen lassen, giebt es noch verschiedeneandere Stickstoffverbindungen in : '<zn Nahrungsmitteln, die zum Theil vereinzeltstehen, daher hier auch getrennt besprochen werden mögen. Hierzu gehören:
1, Lecithin (Protagon) C 44 B[ 90 NPO 9 , welches als eine GlycerinphospKor-säure aufgefasst wird, worin zwei Hydroxylwasserstoffe des Glycerinrestes durchdie Radikale der Fettsäuren (Oel-, Palmitin- oder Stearinsäure) und der Wasserstoffdes Phosphorsäurerestes durch Cholin (Trimethyloxyäthylanunoniumhydroxyd) ersetztsind, also z. B. für das Olei'n-Palmitin-Lecithin:
-•o.c, a ü a: ,o
c 3 h;
*\
-o-c 16 H 3l o
sO.PO< OH
Ebenso kennt man ein Distearin- und Dipalmitinlecithin.
Das Lecithin ist ausserordentlich weit verbreitet im Thier- wie Pflanzenreiche,besonders im Eigelb, welches nach A. Juekenack 2 ) 0,823% Lecithinphosphorsäure(entsprechend 9,35% Distearinlecithin oder 9,03% Palmitinstearinlecithin oder 9,0%Ole'inpalmitinstearin enthält), wovon 58,1% ' n Aether und 41,9% in Alkohol nach derBehandlung mit Aether löslich sind 8 ).
Ferner findet es sich im Kaviar, Gehirn, in der Retina des Ochsenauges (2—3"/onach Cahn). im Blut, in der Milch (0,004% und in dor Butter 0,15—0,17% nach
Schmidt-Mülheim, nach Burow in der Milch 0,054 c
Nicht minder weit verbreitet
»st es im Pflanzenreich; E. Schulze 1 ) und Mitarbeiter fanden z. B. in den Samen von:
') Chem. Centrbl. 1887, [3], 18. 111).
"') Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genussinittel 18;)!), 2, 005.
9 ) Nach E. Sehulze (Land*. Versuchsstationen 181)7, 4U, 203 und vorstehende Zeitschrift1808, l, 251) werden zur Bestimmung des Lecithins die Stoffe erst mit Aether, dann mit heissemAlkohol ausgezogen, die vereinigten Rückstände nach Zusatz von Soda und Salpeter verbrannt, imGlührückstande die Phosphorsäure nach der Molybdänmethode bestimmt und durch Multiplikation desgewogenen Magnesimnpyrophosphats mit 7,2 7 der Lecithingehalt berechnet. Der nur in Alkohollösliche Bestandtheil des Lecithins ist wahrscheinlich an Protei'nstoffe gebunden.
') Zeitschr. f. physiol. Chemie 1889, 13, 365 ti. Landw. Versuchsstationen 1898, 49, 203.Ich habe vorwiegend nur die in letzterer Quelle angegebenen Zahlen als die richtigeren berücksichtigt.