Fäulniss-Erzeugnisse.
AerobioseLebendes Protein Todfes Proteinspärlich üppig
wonig wenig
die in ihrer Konstitution bekannten Diamine sind meistens nicht giftig oder könnendoch nicht die Hauptträger der äussei'st heftigen Gifte bilden; von den anderenund vielleicht giftigeren Basen ist aber die Konstitution noch garnicht bekannt.
Auch ist anzunehmen dass sich durch die Fänlniss- wie Infektionsbakterien inderselben Weise \rie bei der Darmverdauung eine Reihe von Umsetzungsstoffen bilden,die sieh bis jetzt vorwiegend nur in ihren Endgliedern unterscheiden Sassen, deren eigent-lichen giftigen Zwischenumsetzungsstoffe, die Toxproteosen, die den ursprünglichen"i*oteinstoffen noch sehr nahe stehen, gar nicht bekannt sind. Auch ist fraglich, obsich diese Stoffe, die sich unter der Hand und durch chemische Reagenzien sofort ver-ändern, völlig rein gewinnen lassen werden. Ohne Zweifel geht der Bildung von•Ltomainen wohl die Bildung von Alhumosen und Peptonen und bei den pflanzlichenNahrungsmitteln auch die Bildung von Glukose aus Stärke etc. vorher und hat b«ider Entstehung der Gifte ohne Zweifel die An- und Abwesenheit von Sauerstoff eine-Bedeutung. So fand H. Scholl 1 ) bei der Bildung giftiger Proteinstoffe bei Cholera--krkrankungen und einigen Fäulnissvorgängen:
AnaerobioseLeuendes Protein Todtes Protein
Bakterien-Wachsthum . üppig spärlich
'ioxine.....sehr giftig' wenig giftig
Bei Aerobiose wachsen die Bakterien besser auf todtem als lebendem (genuinem)" r otei'n, die Toxinabspaltung ist aber in beiden Fällen gering; bei Luftabschluss da-gegen bilden sich auf genuinem Protein sehr viel und heftig wirkende Toxine.
Die giftigen Miesmuscheln 2 ) bilden sich vorwiegend in stillstehendem Wassern d lassen sich entgiften, wenn sie an Stellen, wo das Wasser ständig ffiesst oderaurig wechselt, gebracht werden, eine Erscheinung, welche offenbar ebenfalls mit"m Sauerstoffgehalt des Wassers zusammenhänge. Aus dem Grunde werden gegenai e Aufhebung der giftigen Wirkung der Bakteriengifte Oxydationsmittel (Wasser-stoffsuperoxyd, Kaliumpermanganat etc.) empfohlen.
Kobert 3 ) unterscheidet bei den Erkrankungen durch Fleisch-, Wurst-etc. Giftzweierlei Arten, nämlich:
'• Fälle, in denen unzweifelhafte Ptomainsymptome (Mydriasis, Sekretions-hernmung etc.) vorhanden waren;
2. Fälle, in denen mehr die Symptome der Intestinalmykose vorherrschen, woSo die Giftbildung durch Bakterien im Körper selbst vor sich geht.
Die meisten Forscher theilen jetzt wohl die Ansicht, dass wir es hier mitmehrererlei Arten Gift zu thun haben.
■Dagegen, dass nicht oder doch bei weitem nicht immer die nur zum Theil gif-
gen Diamine (Ptomame) die Vergiftung verursachen, spricht auch der Umstand,
a ss dieselben nur im Anfange der Fäulniss auftreten, bis meistens zum 3ten Tage
vermehren, dann aber wieder abnehmen, wenn auch geringe Mengen von Putrescin
adaverin und Hexamethylendiamin stets vorhandeu sein mögen.
Wenn man bedenkt, dass häufig nur Spuren dieser Art Gifte z. B. das blosse"zen der Haut durch den mit Leichenflüssigkeit bestricheneu Pfeil der wilden^ksstämme, der winzige Stich eines Insektes etc. dazu gehört, um eine starke
) Archiv f. Hygiene 1892, 15, 172,
'. S| Vergl. M. Wolff u. JtUnig: irchiv f. pathol. Anat. u. Physiol. 104, 180.) Robert: Kompendiam (i. prakt. Toxikologie 3. Aafl. 1894.