84
Die chemischen Verbindungen der Nahrung
und üeuussmitf-t i.
Schlünde, sowie Diarrhoe hervorriefen. Der giftige Körper scheint bei 100° flüchtigzu sein. Dieser Base „Tyrotoxicon" wird die Formel C 6 H 3 N ä beigelegt.
C. Arnold 1 ) entnahm aus einer grossen Grube, in der an der Thierarznei-schule in Hannover alle todten Thiere aufbewahrt wurden, von zwei mindestens8 Tage in der Grube gelegenen, stark gefaulten Hunden im ganzen 500 g MuskelÜeischund erhielt daraus 1,6 g eines flüssigen Alkaloi'ds, das bei Kaninchen, subcutaninjicirt, Starrkrampf mit darauf folgendem Tode herbeiführte. Auch bei einemzweiten Versuch erhielt er aus 500 g faulem Pferdefleisch nahezu 0,5 g derselbenSubstanz.
Auch bei der Fäulniss pflanzlicher Proteinstoffe entstehen die Fäulnissalkaloi'de.Brugnatelli und Zenoiii 2 ), sowie Th. Husemann fanden ein .miorphes, inWasser unlösliches Alkaioid (Lanibroso's Pellagrom?) im verschimmelten Maismehl;nach Brugnatelli theilt das Aikaloi'd alle chemischen und physiologischen Eigen-schaften des Strychrins. A. Poehl 8 ) hat ferner bei der Päulniss des Roggenmehlesunter Einwirkung von Mutterkorn Alkaloi'de nachgewiesen und ist der Ansicht dassder Ergotismus, jene Kriebelkrankheit, welche durch den Genuss von Mutterkorn-haltigem Mehl hervorgerufen wird, in diesen Alkaloi'den ihre Ursache hat, weilihre äusseren Krankheitserscheinungen den durch Fäulnissalkaloi'de hervorgerufenenwesentlich gleichen. Da weiter die in der Lombardei, infolge des Genusses vonfaulem Mais beobachtete Krankheit mit dem Ergotismus vieles gemeinsam hat, so istdie Ansicht gerechtfertigt, dass auch diese Krankheit in naher Beziehung zu denFäulnissalkaloiden steht.
Es ist schon oben (S. 46) gesagt, dass die Fäulnissalkaloi'de in nahe Beziehung zuden Toxproteosen gebracht werden. In der That haben manche von den pathogenenBakterien erzeugten Umsetzungsstoffe der Proteine eine Zusammensetzung, welche derder Ptomaine näher steht, als der der Proteine bezw. der zugehörigen Peptone, r. B.die beiden von L. Brieger (1. c.) gewonnenen Basen, das Typhotoxin und Tetanin.
Das Typhotoxin G 7 H 17 N0 2 bildet sich bei der Einwirkung von Typhusbacillenauf Fleisch, ist eine starke, giftige Base, welche mit Goldchlorid die in Prismenkrystallisirende Verbindung C 7 H 17 N0 2 -HCl- AuC! 3 von 176° Schmelzpunkt bildet.
In ähnlicher Weise entsteht das Tetaniir Gj..H 2 ,,N 2 0 4 durch Behandeln vonRindfleisch mit Tetanusbacillen; es rindet sich ferner in gefaulten Kadavern, ist eben-falls eine starke, sehr giftige Base, deren Platindoppelsalz C 1S IL, N 2 0 4 - 2 HCl ■ Pt(J) 4in Blättchen krystalfisirt.
A. B. Griffith 4 ) hat ferner aus dem Harn bei Infektionskrankheiten hierhergehörige Basen dargestellt, so das Erysipelin C^HjjNOj bei Rothlauf (Erysipelas),das Ekzenin C 7 H 15 N0 2 bei Ekzem, das Pleuricin Cr;H 5 N 2 0 2 bei Pieuriüskranken,ein Ptomain C lä H 10 N 2 O 6 bei JRotzkrankheit, ein desgleichen C 9 H 9 N0 4 bei Influenza-kranken. Auch diese Basen waren giftig und theilteri die allgemeinen Eigenschaftender Ptomaine.
Wie aus dieser gedrängten Uebersicht hervorgeht, ist die Natur der vonFäulniss- und pathogenen Bakterien erzeugten bitte noch sehr wenig aufgeklärt;
\) Archiv, f. Pharm. 21, 4:;o.
! ) Berichte d. deutschen ehem. Gesellschaft lb7(;, 9, 1437.
5 ) Ebendort 1883, 10. 1075.
') Omni, rendus 1892, 114, -rS'62; ls;>;;, 1! ,"„ 6C7; !i;'. 1205; IS&4, 117.