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Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
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Einleitung.

Und was die Auffindung von Ersatzmitteln anbelangt, so bat V. Meyer vor meh-reren Jahren (1890) es als ein chemisches Problem der Gegenwart bezeichnet, die Rohfaser(Cellulose) in Stärke zu verwandeln, um so in Zeiten der Noth das Hol« der Wälder, dasGrus, selbst Stroh und Spreu in einen dem Menschen zusagenden Nährstoff umzuwandeln.Mag dieser Vorsehlag einstweilen auch nur als ein geistreicher Gedanke gelten, so erscheint der-selbe bei der nahen chemischen Beziehung zwischen Cellulose und Stärke doch nicht un-ausführbar, da ja bereits erfolgreiche Versuche vorliegen^ die Cellulose wie Stärke zurAlkoholbereitung zu verwenden.

Auch werden mit chemischen HUlfsmitteln zur Zeit fast tagtäglich neue Nährmittelaus Abfällen aller Art hergestellt, welche bis dahin keine Verwendung für die menschlicheErnährung fanden, wie z. B. die vielen Protein - Nährmittel aus Fabrikationsabfällen(Eleischextraktabfälle, Mageriniich, Kleber bezw. Gluten bei der Stärkefabrikation, ausungeniessbaren Eischen, Hefe etc.).

Nicht minder erfolgreich kann die Chemie helfen, wenn es sich darum handelt, dieBodenerträge so zu heben, dass Deutschland seinen Bedarf an Getreide selbst decken Itann.Deutschland fährt jetzt etwa zur Deckung seines Bedarfs rund 300 Iffill. Mark an das Aus-land ab; es würde aber, wie H. Thiel und K. v. Kümker gezeigt haben, möglich sein, durchSteigerung der Erträge von den bis jetzt bebauten Ackerflächen wie durch Urbarmachungder noch vielen nicht bebauten Moor- und Oedländereien so viel Getreide zu erzielen, dasseine Einfuhr nicht nothwendig wäre. So hat sich nach einer Statistik der Jahre 1683 bis1897 im Vergleich zu der von 1880 bis 1887 nach Berechnungen von K. v. Kümker')herausgestellt:

Getreideart

Gesararnt-anbaufläche

Mehreim Ganzen

infuhrfür 1 ha

JetzigeDurch-

Ri'hmttsemtfcfür 1 ha

Durchschnitt-liebe Ertrags-erhshnng

188S-'j7 gegen1880/87 fiirlha

Noch mögliche

Ertrags-eriuihungfür 1 ha

Steigerungder Anbau-flächevon 1878bis 1393

ha

De.

kg

kg

kg

"/.

Roggen . .

5 809 430

0 302 856

109,3

1088,:;

102.3

300 700

0,08

Weizen . .

1 951 387

9 202 205

471,6

1433,2

108,2

300800

0,82

Gerste . .

1 685 712

9166138

648,8

1350,1

49,0

200 700

0,03

Hafer . . .

3 959 662

2 771 144

69,9

1195,4

66,»

200 1200

0,48

Man sieht hieraus, dass die augenblicklichen Ertragssteigerungen gegen früher vielbedeutender sind, als das Mehr beträgt, welches jetzt noch geerntet werden müsste,um den Bedarf an Getreide in Deutschland selbst decken zu können. Das würde erst rechtder Eall sein, wenn es gelänge, die umfangreichen Moor- und Oedländereien (4184423 ha)in Deutschland urbar zu machen, worauf jetzt seitens der obersten Staatsbehörden mit allerKraft und bestem Erfolge hingearbeitet wird, und wer wollte leugnen, dass vorwiegenddie Chemie dazu berufen ist, hierbei erfolgreiche Hülfe zu leisten.

Der bekannte englische Physiker Crookes erblickt z. B. in der Lösung der Aufgabe,den freien Stickstoff der Luft in gebundenen (Ammoniak oder Salpetersäure) überzufuhren,die Möglichkeit, noch auf lauge Jahre hinaus die brotessende Bevölkerung mit dem nöthigenKoggen und Weizen zu versorgen. Die kaukasische Basse schöpft nach Crookes ihre Artund Kraft, ihre Macht und Gesittung vorwiegend aus dem Bau von Koggen und Weizen,als den hrotliefernden Getreidearten; die Bvotnahrnng verleiht ihr das Uebergewicht überdie Rassen, welche von Keis und Hirse leben. Crookes berechnet und schätzt unter der

') Mittheilungen d. kndw. Institute d. Universität Breslau 1899, 2, 151.

Wm