Druckschrift 
Die menschlichen Nahrungs- und Genussmittel, ihre Herstellung, Zusammensetzung und Beschaffenheit, nebst einem Abriss über die Ernährunglehre
Entstehung
Seite
5
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Bedeutung der Nahrungsmitteleheinie.

Annahme, dass 1651 Weizen für den Kopf und das Jäte erforderlieh sind und die brot-«ssende Bevölkerung in dem Maasse wie jetzt sich vermehrt:

1871 1891 1901 1931

1- Anzahl der Brotesser......370 Mill. 472 Mill. 538 Mill. 746 Mill.

2. Xo1 Wendiger Weizen in Hektolitern . . 000 770 8T5 1220

Der Anbau des Weizens ist aber auf das gemässigte Klima beschränkt und wenn dieanbaufähige Flache eine begrenzte ist, so lässt sich mit der Zeit das nöthige Getreide nurmehr durch Steigerung der Erträge in Folge ausgiebiger Düngung, besonders mit Stickstoffin Form von Ammoniak oder Salpetersäure, beschaffen. Da aber die Menge an letzterenStickstoffverbindungen jetzt ebenfalls eine beschränkte ist, ja zum Theil wie im Chilisalpeter»it der Zeit auszugehen droht, so bleibt nur die Möglichkeit, den unerschöpflichen Vorrat'ides freien Stickstoffs der Luft in gebundenen Stickstoff als Quelle für die Versorgung derGetreidepflanzen mit Stickstoff überzuführen. Das kann aber geschehen einerseits mit Hülfeder stickstoffbindenden Bakterien, andererseits mit Hülfe der elektrischen Kraft, die ihrer-seits wieder aus bis jetzt unbenutzten Naturkraften (wie z. B. Wasserfallen etc.) geschöpftwerden kann. So würde also das Laboratorium, wie Crookes sagt, berufen sein, Hungerm Ueberflnss zu wenden.

5. Die Chemie, der menschlichen Nahrungs- und Gennssmittel ist be-sonders wichtig wegen der vielen Verfälschungen derselben und der in Folgedessen nothwendigen Kontrolle des Lebensmittelmarktes.

Vorab kann hierbei nicht genug betont werden, dass diese Verfälschungen nicht inDeutschland allein gang und gäbe sind: das sucht man int Auslande mit Vorliebe glaubenz " machen, um deutsche Lebensmittelwaare in Verruf zu bringen und dort vom Markte fernzu halten oder zu verdrängen. In Deutschland wird bis jetzt eine schärfere Kontrolle aus-geübt, als in anderen Staaten und werden aus dem Grunde auch mehr Ungehörigkeiten auf-gedeckt. Ohne Zweifel sind in anderen Staaten, wo keine so scharfe Kontrolle wie inDeutschland geübt wird, die Verfälschungen noch umfangreicher. Auch darf man nichtannehmen, dass die Verfälschungen erst in den letzten Jahren aufgetreten sind. Sie rührenschon von den Zeiten her, wo die Natur den Menschen nicht mehr von selbst genug undbefriedigende Nahrung bot, sondern man gezwungen wurde, die Naturerzengnisse durchnsterzeugnisse zu verbessern oder zu ergänzen.

Schon flinius der Aeltere beklagt die damaligen Verfälschungen des Weines, indem

Kufe

Der Wein wird mir mehr nach der Etikette verkauft, denn die Lese wird bereits in der

gefälscht.

Die Klagen des Alterihams über die Verfälschungen der Lebensmittel steigerten sich

«a Mittelalter zu harten Strafandrohungen; 144-1 wurde in Nürnberg ein Findeker, 1456

e) n Bürger Kölbele wegen Safranfälsehung lebendig verbrannt. In einer Abhandlung:

nLxtra.it de la Police de l'art et ecienee par Andre da Breil, coramumque par le Dr. P. Dor-

v .eaux, bibliothecaire de l'ßeole superieure de Pharmacie de Paris im Jahre 1580 werden

** schon damals häufigen Wein Verfälschungen aufgeführt, wie z. B. das Vermischen des

edlen Traubenweines mit Aepfeiwein, Birnenmost und Krätzer, des Rothweines mit Weisswein,

8 Schönen mit Gyps, das Färben mit Turnesol, Lackmus, Brasilholz etc., die Verwendung

x OS Zucker, Honig, Muskatnuss bei Nachahmung von Südweinen, die Herstellung von Hefen-

Wew oder Kunstwein, indem man schlechten Wein durch ein mit Drogen gefülltes Fass

aufen Hess etc. Dann wird beklagt, dass nicht nur Wirthe sondern auch Bürger solche

_ a nschereien vornehmen, und wird auf diese, entsprechend den damaligen Anschauungen,

*'ne lieihe von Krankheiten (wie Katarrhe, Lungenbeklemmungen, Magenbeschwerden, Er-

brech

"reeller., Buhr, Brustfellentzündungen. Gallen- und Blasensteine, Verstopfungen ianalen und Gefässen der Nieren, Leber, Milz, der Gekröse- und anderer Adern, Ai

in den

Arterien,