Bedeutung der Xahriuiijsnüttelclieime.
■Arbeiters im geraden Verhältnis» zu seiner Nahrung steht, d.h. je hesser und je kräftigersieh der Arbeiter ernährt, um so mehr ist er zu leisten im Stande. Dieser Umstand ver-dient aber wieder um so mehr Beachtung, als der Arbeiter für die Ernährung seiner Familie60—70 % seines Einkommens ausgiebt, daher wohl zu überlegen Ursache hat, dass dieser■Betrag zweckmässig d.h. für eine thuulichst nahrreiche und reine "Nahrung verausgabt wird.Aus dein Grunde ist es mit Freuden zu begrüssen, dass sowohl seitens des Staates (beim Militär)als aucli von kommunalen Verbänden und Konsum-Vereinen der richtigen Ernährung be-sonders der Arbeiter immer mehr Aufmerksamkeit zugewendet wird, dass man für den Bezugnahrreicher und thuulichst billiger Nahrungsmittel sorgt, sowie durch Wort und Schrift be-müht ist, Aufklärung über die zweekmässigste Ernährung zu verbreiten. Es ist dieses wohlebenso wichtig und nothwendig, als die Arbeiter über socialpolitische Fragen aufzuklären.Auch wird mit ßecht durch Errichtung von Koch- und Haushaltungsschulen dafür ge-sorgt, dass junge Mädchen die Speisen zweckmässig, d. h. schmackhaft und gut zubereitenlernen. Denn wer wollte leugnen, dass die sociale Frage auch eiue Magenfrage ist? Wennder Arbeiter nach des Tages Last kein behagliches Heim und keine zusagende wie ge-nügende Nahrung im Hause vorfindet, so wird er ins Wirthshaus getrieben, er greift, umbei ungenügender und schwer verdaulicher Kost die erschlafften Körperkräfto vorübergehendaufzufrischen, zur Branntweinflasche und fällt allmählich in voller Unzufriedenheit mitseinem Dasein von selbst den Umsturzparteien in die Arme.
3. Eine genüg-ende und gesunde Nahrung ist auch besonders wichtig zuZeiten von Epidemien.
Abgesehen davon, dass durch fehlerhafte, verdorbene und mit Krankheitskeimenbehaftete Nahrungsmittel direkt Krankheiten aller Art \ erbreitet werden können, ist*s auch eine bekannte Thatsache, dass von verheerenden ansteckenden Krankheiten vor-liegend die unbemittelte, schlecht ernährte Volksklasse heimgesucht wird. Das kanu nichtVerwundern, wenn man bedenkt, dass ein kräftiger Körper besser den KrankheitserregernWiderstehen kann, als ein durch mangelhafte Nahrung abgeschwächter Körper.
Eine an Kohlenhydraten reiche Nahrung, wie Kartoffeln, hat eine grosse Ansammlungvon nasser in den Organen und Geweben zur Folge und es ist nach v. Pettenkofer vor-liegend der Wasserreichthuin in den Geweben, welcher für die Cholera und andere an-steckenden Krankheiten empfänglich macht. Sobald solcherweise ernährte Menschen eineProteiiireiche ( z . B. Fleisch-) Nahrung erhalten, veriässt, wie J. Kanke sich ausdrückt, dasasser den Körper in Strömen. Neben allgemeiner Reinlichkeit und thunlichster Enthaltuug°n alkoholischen Getränken ist bekanntlich eine reichliche und reine Nahrung das bestechutzmitiel gegen ansteckende Krankheiten.
4. Die Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel ist auch0n Bedeutung zu Zeiten der Noth, wenn es darauf ankommt, einerseits mit dem vor-»aaenen Vorrath thunlichst sparsam umzugehen, andererseits zweckmässige Ersatzstoffe
•anzugeben.
Schon Justus v. Liebig hat darauf hingewiesen, dass man bei der Brotbereitungn en Substanzverlust vermeiden könne, wenn man an Stelle der Hefe behufs Lockerunges " r otteiges Kohlensäure aus mineralischen Salzen (z. B. Natriumbikarbonat und sauremciumphosphat) verwende. Durch die Umwandlung der Stärke in Zucker und durch Ver-wahrung J fis letzteren zu Alkohol und Kohlensäure findet ein Nährstoffverlust statt, dertischen 1,5—4,0% des Mehles beträgt.
Deutschland mit rund 60 Millionen Menschen verbraucht täglich im Durchschnitt gegen
an,
lonen Kund Brot; nimmt man hierbei durch die Hefegährung auch nur 1 % Verlust
so macht derselbe täglich 300000 Pfund Brotsubstanz aus, welche ausreichen würde, täg-
bOOOOO Menschen mit Brot zu versorgen.
«icht minder grosse Ersparnisse sind bei der Verarbeitung des Getreidekornes zu MehlMöglich.