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Das Reich der Seleuciden bis auf Antiochus VII.
der Zeit der Seleuciden ausgebildeten Unterschiede der Länder diesseitsund jenseits des Tigris beruht eine große Verschiedenartigkeit der Ent-wicklung für eine weit über die Dauer des Seleucidenreiches hinaus-gehende Folgezeit. In Kleinasien kam wie in Syrien das Griechen-thum zu größerer Stärke und Verbreitung, aber nicht durch dieSeleuciden, sondern durch die Beherrscher der kleinen Reiche. Diesefühlten sich gleich den Seleuciden gedrängt, an den Küsten die Stütz-punkte ihrer Macht zu suchen, da der Besitz der blühenden griechischenSeestädte sie an dem Ertrage von deren Handel Theil nehmen ließ undihnen in deren Flotten eine Macht gewährte, wodurch sie bei jedem vomInnern des Landes herkommenden Angriff sich zu behaupten vermochten.Das Bedürfniß, ihre Staaten durch geregelte Verwaltung zu befestigen,verbreitete griechischen Einfluß auch im Innern und gab den Höfen eingriechisches Gepräge. Am selbstständigsten erhielt sich das griechischeWesen an der keinasiatischen Westküste, wo die Durchkreuzung ptolemäi-schen und seleucidischen Einflusses den Städten die fortwährende Gele-genheit bot, sich für Anschluß an den jedesmal minder gefährlichscheinenden Herrscher eine gewisse Unabhängigkeit zu bedingen und wo,wie zur Zeit der Diadochen in Griechenland, Freiheitserklärungen fürdie Städte eine Waffe in den Händen der beiden wetteifernden Mächtewaren. Das Griechenthum hatte also in den verschiedenen TheilenAsiens eine verschiedene Stellung. Im Osten war ihm wegen seinerVereinzelung nur für so lange das Leben gesichert, als der Rückschlagdes einheimischen morgenländischen Wesens es nicht niederwarf. InKleinasien, wo es größtentheils von unabhängigen Städten aus wirkte,arbeitete es an der Bezwingung einheimischer Rohheit. Im semitischenAsien reichte es, in den Dienst des Hofes gestellt, mit seiner auf Ver-feinerung des Lebensgenusses zielenden Kunst der einheimischen Ueppig-keit und Schwelgerei die Hand und trug dazu bei, die Herrscher undihre Umgebung, die es tragen sollte, in Sittenlosigkeit zu versenken undden Hof, der theils in Antiochien, theils in dem benachbarten LustorteDaphne wohnte, zu einem Mittelpunkte zügellosen Lebens zu machen,in welchem alle Kraft des Erhaltens und Gestaltens um so sichererunterging, als das Königthum der hellenistischen Zeit gleich der ihmverwandten jüngeren Tyrannis ohne Erkenntniß eines Regentenbernsessich selbst zum Zwecke setzte und die Herrschaft seiner Selbstsucht dienst-bar machte.
2. Die Regierungszeit des ersten Antiochus, der nach SeleukusTode in den Westen zurückkehrte, ist ausgefüllt von Bestrebungen, dieHerrschaft über Kleinasien zu retten. Die Verfolgung von Seleukus'Plänen und das Verlangen, ihn zu rächen, gab den Bestrebungen desAntiochus eine Richtung auf Makedonien, die auch da noch fortdauerte,