630 Die Römer in der Zeit der Umwälzungen und der Bürgerkriege.
Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche, welche der Herr mit dem Schatzeseiner Gnade zur Erleuchtung und Heiligung, mit einem Lehramte zurErziehung und Leitung ihrer Glieder ausstattete. Unter dem Volke derJuden, dessen durch religiöse Satzungen geregeltes und durch Offenba-rungen erleuchtetes Leben den verknüpfenden geschichtlichen Faden zwischender Schöpfung und dem Sündenfalle einerseits und der Menschwerdungdes Sohnes Gottes und der Erlösung anderseits bildet, fand sich unge-achtet der Hoffnung auf den dereinstigen Erlöser, welche die Frommenimmer geleitet hatte, nicht allgemeine Anerkennung des erschienenen Er-lösers, ja unter denen, die ihn anerkannten, nicht sofortiges Verständnißseiner Sendung. Beides hing damit zusammen, daß man sich den kom-menden Erlöser zugleich als Wiederhersteller eines jüdischen Reiches undals Befreier von der Macht fremder Völker gedacht hatte. Daher dieErscheinung, daß ein großer Theil des Volkes auch nach dem Opfertodedes Heilandes einen andern Erlöser zu erwarten sortfuhr. So bliebenJuden, deren Religion zur Vorbereitung auf die Lehre Jesu Christi ge-dient hatte, der von ihm zur Fortpflanzung derselben gestifteten Kirchefremd und verharrten in dieser abgesonderten, feindseligen Stellung,während seine Boten, die Apostel, die Lehre nicht allein zu den außer-halb Palästina's wohnenden Juden, sondern auch zu den Heiden trugen.Ja innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, für welche noch zu Zeitender Apostel in Antiochien der Name Christen eingeführt wurde, erhobsich die Ansicht, daß die aus dem Judenthum zum Christenthum Gelang-ten die eigentlichen Kinder des Hauses Gottes seien und daß der vonGott mit Abraham geschloffene Bund und Moses' Gesetz für alte Zeitengälten, daher der Uebergang der Heiden zum Christenthume mittelsteines Durchganges durch das Judenthum zu bewerkstelligen sei. DieEntscheidung der von dem heiligen Geiste erleuchteten Apostel beseitigtediese Ansicht und das Christenthum begann einen unaufhaltsamen Sieges-lauf durch die römische Welt, Anfangs still und unvermerkt sich aus-breitend, aber darum nicht minder auch für eine sichtbare neue Ordnungder Welt den Grund legend. Wie der Gegensatz von Judenthum undHeidenthum im Christenthnm aufhörte, wurden durch das Christenthumüberall, wohin es drang, die übrigen Gegensätze gemildert, in welchensich die Menschen zu einander befinden, indem das Gesetz der Liebe dieMenschen als Kinder Gottes zu Brüdern macht. Das Verhältniß ver-schiedener Nationalitäten verlor die Schärfe, vermöge deren Fremderund Feind gleichbedeutend gewesen waren. Das Verhältniß des Armendem Reichen gegenüber wurde minder drückend, weil den Armen neueTugenden, neue Kräfte zum Ertragen verliehen und dem Reichen diePflicht, dem Armen zu helfen auferlegt wurde. Das Verhältniß derFrauen, die sich den Männern gegenüber in unwürdiger Unterordnung