und der Unterwerfung Italiens. 385
Noms Geschichte so bezeichnende Wachsen durch Anziehen des Draußenzunächst Liegenden ununterbrochen fort.
7. Die nächste Stufe seiner Macht erreicht der Staat unter demnächsten Könige, Tarquinius dem Hoffärtigen. Dieser König kam ohneVorschlag des Senates und ohne Wahl zur Negierung mittelst einerEmpörung, die mit Hülfe der durch Minderung ihrer Vorrechte erbitter-ten Patricier gelang. Mit der Geschichte dieser Empörung hat sicheine Erzählung von Greueln in der Familie verbunden. Tarquinius,der zu dem Gentilnamen Tarquinius nach römischer Sitte noch den diePerson unterscheidenden Vornamen Lucius hatte, so wie sein BruderAruns Tarquinius, waren Söhne des früheren Königs Tarquinius undmit Töchtern des Servius Tullius vermählt. Aber Lucius verband sichmit des Aruns Frau, beide ermordeten, der eine seine Gattin, dieandere ihren Mann, und sie schlossen mit einander eine neue Ehe, welchebei- dem stürmischen und leidenschaftlichen Character der beiden Gattendie Empörung beförderte. Im königlichen Schmuck erschien der Empörerin der Curie, dem Versammlungsplatze des Senates, nahm des Kö-nigs Platz ein, stürzte den zur Wahrung seiner Rechte herbeieilendenKönig die Treppe hinab und ließ ihn ermorden, worauf seine Gattin,ihn zu beglückwünschen, nach der Curie fuhr und den Wagenlenker überden noch auf der Straße liegenden Leichnam ihres Vaters zu fahrenzwang. Ist auch diese Erzählung in dem Bestreben, das Andenken anden König dem Abscheu preiszugeben und seinen später erfolgten Sturzzu rechtfertigen, ausgebildet, so zeigt doch auch seine Negierung den ge-waltthätigen Herrscher, wie ihn der vom Volke gegebene Beiname desHoffärtigen, Superbus, bezeichnet. Patricier und Plebejer gleich wenigachtend, setzte er die ohnehin gewiß noch nicht durchgeführte ServianischeVerfassung außer Kraft, berief den Senat erst wenig, später gar nichtund gründete einen militärischen Despotismus. Die Möglichkeit dazufand er in den Verbindungen mit den Nachbarstaaten, die er durch aus-gezeichnete Gaben des Feldherrn und des Staatsmannes zu Standebrachte. Mit den Etruskern, von deren Gebiet ein Theil ohne Zweifelschon römisch war, schloß er ein Bündniß. Mit den Häuptern derlatinischen Städte trat er in Gastfreundschaft, einen der bedeutendsten,den Diktator Octavius Mamilius von Tusculum, machte er zu seinemSchwiegersohn und die ihm bei den Latinern widerstrebende Parteistürzte er durch List in der Person des Turnus Herdonius von Aricia.Allmälig gab er dem Bundesverhältnisse zwischen Rom und Latium eine
- solche Gestalt, daß Rom eine Vorortschaft, eine Hegemonie im latinischen
- Bunde erhielt, auch die Kriegsmacht beider eng verschmolzen wurde,
> indem eine römische und eine latinische Heerescenturie, deren bei beiden'> Völkern, bei dem einen nach der Zahl der Bundesstädte, bei dem andern
; Kiesel, Weltgeschichte. I. 25