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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
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369
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und Griechenland bis auf Philopömen.

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alle Dinge verbreitete und in ihnen wirkende Kraft sein sollte, die altenGöttersagen aber, wenn man keine göttliche Persönlichkeit zugab, nurdie Geltung einer sinnbildlichen und allegorischen Bezeichnung sittlicherGrundsätze und Erscheinungen behielten. Es war also gegen die Krank-heiten des Menschengeschlechts nur ein theilweises und einstweiligesHeilmittel gefunden. Der Mensch blieb in die Grenzen der sinnlichenWelt eingeschlofscn, erhielt keinen Aufschluß über Ziel und Ende seinesDaseins und konnte selbst diejenige Sittlichkeit, die auf dem Wege derStoa zu erreichen war, nur durch ein Aneignen ihrer Regeln gewinnen,während die wahre Sittlichkeit bei der unendlichen Mannigfaltigkeit derVerhältnisse einer Erweckung der Willenskraft mittelst höherer Erleuchtungbedarf. Daher war es denn auch immer nur die beschränkte Zahl vonJüngern dieser Philosophie, welcher die Vortheile derselben zu Gutekamen und ein Gemeingut' von Völkern konnten dieselben nie werden,folglich auch die allgemeinen Verhältnisse und Auffassungen, von denendas Leben der Einzelnen bedingt ist, nicht umgestalten.

15. Die Unwahrheit, an welcher Epikureismus und Stoicismusungeachtet ihres Gegensatzes zu einander gemeinschaftlich leiden, istschon im Bereiche des das Christenthum vorbereitenden Judcnthumsfühlbar geworden. Da die Ergebnisse griechischer Philosophie sich auchnach Aegypten verpflanzten und auf dem breiten Boden, welchen hierdas Judenthum gewonnen hatte, die mosaische Lehre von griechischenAuffassungen berührt wurde, ergab sich für sie eine Gefahr, gegen welche,sobald sie gefühlt wurde, auch Kämpfer aufstanden. Die unmittelbarsteund die allgemeinste Gefahr drohte von dem Epikureisinus. Das Be-dürfnis', denselben zu bekämpfen, hat an der Abfassung des Buches derWeisheit einen bedeutenden Antheil, der sich in dem fühlbaren Gegen-sätze zu der in Aegypten herrschenden Ausschweifung verräth. Wie aberdas Judenthum in diesem Kampfe aus ägyptischem Boden dem Stoicis-mus begegnen mußte und in demselben sogar griechische Mittel zurBekämpfung griechischen Jrrthums fand, ergab sich bei der Möglichkeit,eine Strecke mit demselben zusammenzugehen, zugleich die fernere Ge-fahr einer Vernichtung durch Vermischung. Die stoische Handhabungder Allegorie mußte in dem Lande, wo die Sinnbilder ein althergebrach-tes Mittel der Gedankenmittheilung waren, den Juden, die in demStoicismus einen Bundesgenossen gegen die gröbsten Verirrungen desHeidenthums sahen, zugleich zur Rechtfertigung mancher väterlichenLehren brauchbar scheinen. Hierbei mußte die Festhaltung des persön-lichen frei wollenden Wesens Gottes wie der menschlichen Freiheit er-schwert werden. Das hieraus entspringende Bedürfniß der Gegenwehrgegen eine bis auf einen gewissen Grad befreundete Macht des griechi-schen Geistes ist ebenfalls in dem Buche der Weisheit zu erkennen,

Kiesel, Weltgeschichte. I. 24