Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
343
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Das Reich der Selcuciden bis auf Antiochus VII.

von Verhältnissen ab, wie sie in Griechenland der Verbreitnng undEntwicklung philosophischer Grundsätze dienten, so bildeten sich auch, wiedort, nach Maßgabe persönlicher Eigenthümlichkeit Gegensätze in derLehre aus, welche verschiedenen Parteien ihren Ursprung gaben. Ammeisten stand auf der Grundlage alter Satzung und Ueberlieferung diePartei der Pharisäer, deren Name auf Absonderung hindeutet. IhreWirksamkeit beginnt mit den Kämpfen der Hasmonäer und, wie diesemit dem Schwerte der Gefahr eines Eindringens des Hellenismuswehrten, traten sie durch Lehre den Versuchen entgegen, die griechischePhilosophie mit der hebräischen Lehre auszugleichen und als im Wesent-lichen einerlei nachzuweisen. Daher dringen sie in Lehre und Uebungder Religion allem Fremden gegenüber auf Ausschließlichkeit. Damitversteigen sie sich zu einem großen Uebermaße, indem sie sowohl einefortgesetzte Offenbarung Gottes nach der am Sinai für unmöglich an-sehen, als auch eine Einwirkung Gottes auf die außerhalb des jüdischenKreises gelegene Menschheit bestreiten. Eifrig umzäunten sie die mo-saische Offenbarung in Verkennung der ihr von Gott bestimmten Er-weiterung und trafen in dem Festhalten an der Ueberlieferung der Väter,die an sich ein Mittel zur Erhaltung der Religion sein konnte, eine be-fangene Auswahl, indem die Vergangenheit in ihren Zufälligkeiten undselbst in ihren Jrrthümern als maßgebend angenommen wurde. Hier-durch entstand trotz ihrer der Religion gewidmeten Thätigkeit eine Ver-kümmerung der Religion. Die Beschäftigung mit der Schrift ward zueiner kleinlichen den wahren Gehalt nicht berührenden Zerlegung undDeutung und die daraus für das Leben abgeleiteten Vorschriften ver-vielfältigten sich mittelst scharfsinniger Auslegung zu einem Gewirre vonRegeln, die durch ihre Aeußerlichkeit Hochmuth und Heuchelei erzeugten.Die Verkehrtheit, zu welcher der Pharisäismus ungeachtet seines gerecht-fertigten Gegensatzes gegen die Auflösung und Verflachung des Judenthumssich entwickelte, rief auch innerhalb des Zudenthums einen neuen Gegen-satz hervor. Die Sadducäer, die ihre Lehre auf einen gewissen Zadokaus dem dritten Jahrhundert vor Ehr. zurückführtcn, verleiteten in ande-rer Richtung, als die Pharisäer, zu einem einseitigen und willkührlichenGebrauche der Vernunft. Im Widerspruche gegen die Verbindlichkeitder aus pharisäischer Deutung erwachsenen Regeln und die Verdienst-lichkeit der in Gemäßheit derselben getriebenen Uebungen verhielten siesich gleichgültig gegen die Ueberlieferung, läugneten jede Vergeltung undim Verfolg dieser Behauptung sogar die Unsterblichkeit der Seele, wo-durch denn auch ihre Begriffe von Gott so sehr zerflossen, daß manihre Religion bei dem Aufgeben der Persönlichkeit Gottes und der Hin-neigung zur Annahme einer unpersönlichen, die Menschengeschicke be-stimmenden Macht, eines Fatums, als Deismus bezeichnen kann. Ihrer