282 Die Auflösung des makedonisch-persischen Reiches.
2. Die erste Vertheilung der Provinzen fand gleich nach Einsetzungder vormundschaftlichen Regierung statt. Dabei wurden die einen imBesitze von Provinzen, die Alexander ihnen zugetheilt, bestätigt, dieanderen jetzt mit solchen ausgestattet. Diejenigen, die im Verlaufe ver-folgenden Zeit am thätigsten erscheinen, sind unter den ersteren Peucestesin Persien, Antigonus in Phrygien, Antipater in Makedonien und Grie-chenland,' unter den letzteren Ptolemäus der Lagide in Aegypten, Pithonin Medien, Eumenes in Paphlagonien und Kappadocien, Leonnatusim hellespontischen Phrygien, Lysimachus in Thracien und dem Cherso-nes. Kraterus, der bei Alexanders Tode noch nicht in Europa ange-kommen war, sollte gemeinschaftlich mit Antipater die Regierung inEuropa fuhren, so daß er neben Antipater als unbeschränktem Feldherrnan der Spitze der eigentlichen Verwaltung stände. Unter den vcrtheil-ten Provinzen waren auch solche, in deren vollen Besitz sich die damitAnsgestattetcn erst zu setzen hatten. Dies war der Fall mit der paph-lagonisch-kappadocischen und der thracischen. Die erstere hatte schon inden Zeiten des persischen Reiches unter erblichen Satrapen ein gewisser-maßen selbstständiges Fürstcnthum gebildet und war auch von Alexandernicht unterworfen worden. Sie gab also ihrem Inhaber die geringsteAussicht auf Genuß der Herrschaft und war wohl nur deßwegen demEumenes zugetheilt, weil dieser, aus Kardia im Chersoneö stammend,als der einzige Grieche unter den Makedonien: mit dem mindest be-deutenden Beuteantheil abgefunden werden sollte. Thracien, das Pcr-dikkas, um den Antipater zu schwächen, als besondere Provinz von Ma-kedonien getrennt hatte, war weder unter Philipp noch unter Alexandervöllig von Makedonien abhängig gewesen, versprach aber dem Lysima-chns für die Mühe, welche die Unterwerfung kosten mußte, Entschädi-gung durch die selbstständige Stellung, welche er, von Asien getrennt, da-selbst einnehmen konnte.
3. Unter allen den Machthabern hatten zwei, Antipater undPtolemäus, durch die Lage der ihnen zugewiesenen Länder denVortheil, von den Schwankungen und Verwirrungen der folgendenKämpfe weniger berührt zu werden und desto ungestörter ihre Sorgeauf Befestigung ihrer Herrschaft verwenden zu können. Antipaterhatte diese Ruhe nöthig, weil er mit der Aufgabe belastet war,das jeder Aufregung so zugängliche Griechenland in Unterwürfig-keit zu erhalten. Diese Aufgabe hatte ihn schon während Alexan-ders Lebzeiten einen Feldzug gekostet. Da Sparta allein dem Philippund dem Alexander die Anerkennung der Hegemonie geweigert hatte,war es derjenige Staat, auf welchen die Perser nach dem Plane desMemnon die meiste Hoffnung bauten, dem siegreichen Könige Make-doniens eine Gefahr im Rücken zu bereiten. An Söldnern war damals