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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
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Die Griechen von dem Ende des pcloponnesischcn Krieges

Dies that er in der Weise eines Vermittlers. Es ward, was im Ge-gensatz zu der sonst auf gewaltsame Verfassungsänderungen bei denGriechen eingetretenen Rachewuth merkwürdig ist, eine allgemeine Am-nestie beschlossen, welche die Nachwirkungen der bisherigen Wirren ab-schnitt. Die alten Obrigkeiten wurden wieder eingesetzt und die alteVerfassung trat wieder in Kraft. So ward Athen zur Zeit, da dasübrige Griechenland größtentheils unter spartanischer Herrschaft stand,aus seiner Erniedrigung wieder erhoben und begann, klein und beschränkt,ein neues selbstständiges Dasein. Es dauerte indessen noch eine Zeit lang,ehe es sich von seiner Ohnmacht erholte und nie wurde es wieder, wases gewesen war. Wie es aber an äußerer Macht sich nie wieder zuder früheren Stufe erhob, erfüllte es sich auch nicht mehr mit dem geisti-gen Gehalte früherer Zeit, und wenn es auch noch ferner eine Stättehöherer Bildung blieb, so waren deren Pfleger doch von dem Staats-leben zurückgezogen. Die erste That des freigewordenen Athens ist dieHinrichtung seines größten Weisen, des Sokrates, im Jahre 399. Inseiner Lehre hatte man, so sehr sie reinerer Erkenntniß Bahn brach undso sehr sie sich durch die Reinheit seines Wandels empfahl, eine Gefahrfür den Staat entdeckt. Wie diejenigen, die sich durch ihn über ihreZeit erhoben fühlten, ihn mit Begeisterung lieben mußten, wurde ergehaßt von denjenigen, welche alte Zucht und Sitte mit der durch ihndem Denken gegebenen Richtung unvereinbar glaubten, wie von den-jenigen, welche die von ihm unmittelbar und mittelbar ausgehende Mah-nung zu sittlicher Umkehr nicht ertragen konnten. Freilich mußte seinBestreben bei dem Gegensätze, in welchem das Trachten nach Erkennt-niß zu den auf Jrrthum beruhenden Ordnungen Athens und der grie-chischen Welt stand, dem Staatsleben gegenüber eine auflösende Krafthaben. Dazu kam, daß bei den ihm ferner Stehenden, wegen schein-barer Verwandtschaft mit den Sophisten, der von diesen erweckte Ver-dacht zugleich auch ihn traf und daß Männer, wie Alcibiades und Kri-tias, die man einst im Umgänge mit ihm gesehen, dem Staate nurVerderben gebracht hatten. Das Gericht verurtheilte ihn auf die An-klage, daß er an die Götter des Staates nicht glaube und die Jugendverderbe, zum Giftbecher und er bewährte durch die Art wie er starb,den Muth der Tugend, die Ruhe des Weisen. Er hatte sich von Staats-geschäften entfernt gehalten, aber als Bürger der erkannten Pflicht ge-horcht. Er hatte bei Potidäa und Delium tapfer gestritten und dortdem Alcibiades, wie dieser ihm hier, das Leben gerettet. Er hattenach der Schlacht bei den Arginusen als Mitglied des Rathes gegendie Verurtheilung der Feldherrn gekämpft und unter der Herrschaft derDreißig dem Aufträge, einen reichen Bürger aus Salamis zur Haft zubringen, nicht Folge geleistet. Seine Lehre ward der Keim für die