Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190 Die Griechen vor dem Kampfe mit den Persern-

Zehnfache und in der ersten als das Zwölffache des jährlichenEinkommens angenommen, wobei der Medimnus den Werth einerDrachme hatte, deren 100 ans eine Mine und 6000 auf ein Talent,eine Summe von etwa 1375 Thalern, gingen. Steigend waren auchdie Leistungen im Kriege, da die Theten in der Regel gar nicht aufge-boten wurden und, wenn sie aufgeboten wurden, als Leichtbewaffneteoder in einer vom Staate gestellten Rüstung mitzogen, die Zeugitenaber als Schwerbewaffnete und die Ritter zu Pferde dienten, so daßdie Begüterteren den kostspieligeren Dienst zu leisten hatten. Die Ab-stufung der Befugnisse diente nicht bloß, die auf Vermögensverhältnissegegründeten Ansprüche zu befriedigen, sondern zugleich dem minder Be-mittelten die Last, die ein unbesoldetes Staatsamt ihm gewesen sei» ^würde, zu ersparen und den Bemittelteren zur Annahme eines solchenzu verpflichten. Die Staatsämter, die in der Volksversammlung oderEkklesia durch Wahl Seitens der ganzen Bürgerschaft verliehen wurden,waren den drei oberen Klaffen, die Archontenwürde der ersten KlasseVorbehalten, während der Einfluß der vierten Klasse auf dem Ucberge-wichte beruhte, das sie als die zahlreichste Klaffe mit ihren Stimmenin der Versammlung übte. Die Geschäfte, welche außer den Wahlenvon der Ekklesia zu besorgen waren, mußten durch die Bule, einen Rath, ^der aus jeder der vier alten Phplen hundert mindestens 30 Jahre alteMitglieder hatte und jedes Jahr neu gewählt wurde, vorbereitet werden.Neben diesem Rathe ließ Solon auch den des Areopags bestehen, erwei-terte aber seine Wirksamkeit in der Art, daß er der Schlußstein des IVerfassungsgebäudes wurde. Derselbe hatte nun außer der Blutgerichts-barkeit die Stellung einer Aufsichtsbehörde, die sich in den Gang dertäglichen Geschäfte nicht mischte, sondern als eine Vereinigung sittlichausgezeichneter und in staatlicher Thätigkeit bewährter Männer nur iniDrange besonderer Umstände in den Gang der Angelegenheiten eingriffund fortwährend über Religion und Sittlichkeit wachte. Durch ihnsollte sich die Kraft der Sitte und des Herkommens als Stütze der Gr- isetze erweisen. Dieser Aufgabe entsprach die lebenslängliche Amtsdauer Ider Mitglieder, vermöge deren er ein Gegengewicht gegen die auchdurch einjährige Amtsführung der Archonten und der Mitglieder derBule geförderte Beweglichkeit des Staatslebens bildete. Die eigent-lichen Gesetze, deren Aufstellung den dritten Thcil von Solon's Thätig-keit ausmacht, sind zu wenig bekannt, als daß in ihnen ein bestimmtesSystem entdeckt werden könnte. Es befinden sich unter ihnen Bestim-mungen für die verschiedensten Kreise des Lebens und sie stufen sichzwischen ganz allgemeinen Anweisungen und bis ins Einzelnste gehendenVorschriften mannigfaltig ab. Als etwas mit der ganzen Richtung seinerübrigen Thätigkeit Uebereinstimmeudes, wodurch seine Gesetzgebung zu