Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

Die Griechen vor dem Kampfe mit den Persern. 167

allein, daß die Ausziehenden sich durch den Kampf um ein neues Va-terland eng verbunden fühlten und in den erkämpften Sitzen bei ihrerursprünglichen Gleichartigkeit leicht zu einem Ganzen verschmolzen, auchdie nicht Ausgewanderten wurden dnrch die Kunde von der Gründungeines neuen Griechenlands jenseits des Meeres um so leichter ihrer Zu-sammengehörigkeit inne. Die Dichtung aber, die sich an jene Begeben-heiten knüpfte, ward der Rahmen für die der Nation gemeinsamen Vor-stellungen und Empfindungen, an deren Besitz und Verständniß Griechensich wechselseitig, wie an der gemeinsamen Sprache, erkannten.

18. Die klcinasiatischcn Ionier, nach denen die Völker des Mor-genlandes alle Griechen mit dem Namen Ionier belegen, hatten außerden Inseln Chios und Samos zehn Städte, von denen die drei süd-lichsten auf karischem, die übrigen auf lpdischem Boden lagen, in Besitz.Die beiden bedeutendsten, Milet und Ephesus, legten sich in ihren Stif-tungssagen attischen Ursprung bei, indem sie Söhne des Kodrus, Miletden Neileus, Ephesus den Androklus für ihre Gründer ausgaben. Diesebeiden Städte behaupteten den übrigen gegenüber ein vorzügliches An-sehn, indem es denselben für engere Verbindung mit ihnen zur Bedin-gung gemacht wurde, Fürsten aus den bei ihnen herrschenden Familiendes Neileus und Androklus anzuuehmen. Für die Verschiedenartigkeitder Herkunft sprechen aber bestimmte Ueberlieferungcn, die Teos vonden Minpern zu Orchomenus, Klazomenä von Kleonä und Phlius, Pho-cäa von den Phociern, Priene von den Kadmeern herleiten und außer-dem noch Dryoper, Molosser aus Epirus, arkadische Pelasger und Do-rer aus Epidaurus als Bestandtheile der Einwanderer angeben. Die-sem Umstande, verbunden mit der Verschiedenartigkeit der bei den An-siedelungen Vorgefundenen Bevölkerung, ist die Verschiedenheit zuzuschrei-ben, welche noch nach Jahrhunderten in den Mundarten bestand. EineMundart herrschte in den drei Städten der karischen Küste, Milet,Myus und Priene, eine zweite in den sechs Städten, welche, wenn manüber den Isthmus der erpthräischen Halbinsel den Weg nimmt, nord-wärts folgen, Ephesus, Kolophon, Lebedus, Teos, Klazomenä und Pho«cäa, eine dritte in Erpthrä und Chios und eine vierte in Samos. ImLaufe der Zeit wurde auch Smyrna, das von den übrigen äolischenStädten weit getrennt war und südlicher als Phocäa, die nördlichstejonische Stadt, lag, ebenfalls eine jonische Stadt. Ursprünglich voneiner gemischten, theils cymäischen, theils ephesischen Bevölkerung be-wohnt, war es äolisch durch die Vertreibung der ephesischen Abkömm-linge, die es dann von Kolophon aus durch Vertreibung der Aeoler inihren Besitz brachten. Dieser äolisch-jonischen Stadt gehört nach derwahrscheinlichsten Annahme der Dichter Homer an, welcher die deräolischen Gegend und den in derselben zahlreichen Achäern angehörigen