Die Perser.
129
gesellte, diese Stadt für den Wohnort des angeblichen Smerdis haltenund, erhält dieses auch Wahrscheinlichkeit durch die Erwägung, daß derEindringling als angeblicher Sohn des Cyrus seine Stütze in den Per-sern suchen mußte, so ist anderweitig die Scene nach Medien verlegt,was zu dem Versuche, eine medische Herrschaft an die Stelle der Per-sischen zu setzen, wohl stimmt, aber zu der Ermordung der Magier nichtpaßt, von denen man doch glauben muß, daß sich in Medien am we-nigsten das Volk gegen sie zu Gunsten der Perser habe reizen lassen.
19. Es war nun das erste Geschäft der Verschworenen, über dieneue Gestaltung der Regierung zu berathen. Ihre Ansichten über diezu wählende Verfassung waren insofern nicht verschieden, als naturge-mäß feststand, daß die Perser das herrschende Volk bleiben sollten. Dar-über aber wurde gestritten, wie die Herrschaft auszuüben sei. Otaneswollte sie in die Hände des gcsammten persischen Volkes gelegt wissenund Megabyzus rieth, sie einer Auswahl hervorragender Männer vor-zubehalten. Jeden von ihnen leitete die Vorstellung der Schrecken,welche die Alleinherrschaft in den Händen des Kambyses entfaltet hatte,und die Abneigung, nachdem man durch gemeinsame That die Gewalterrungen, den Antheil an derselben durch Unterwerfung unter einenEinzigen aufzugeben. Mit Megabyzus theilte Darms die Scheu vorder mit einer Herrschaft des ganzen Volkes nothwendig verbundenenGewaltthätigkcit und Verwirrung, fand aber die Herrschaft Wenigerebenso unzweckmäßig, da sie zuletzt durch Uneinigkeit und Streit hindurchwieder zu einer Alleinherrschaft führen müsse. Seine Vorstellungen ge-wannen die vier Uebrigen, die Wiedcraufrichtung der Alleinherrschaftwurde beschlossen, Otanes erklärte, einem besonderen Ansprüche ent-sagen zu wollen, erhielt aber als Leiter des Unternehmens ein Ehren-geschenk und es wurde verabredet, daß das Loos unter ihnen entscheideund daß dem Gewählten gegenüber den sechs Uebrigen ein ihrer fetzigenGleichheit entsprechender Vorrang vor allen übrigen Personen verbliebe.König sollte der sein, dessen Roß am folgenden Morgen bei einem ge-meinschaftlichen Ritte aus der Stadt zuerst der ausgehenden Sonne ent-gegen wiehere. Die Entscheidung erfolgte zu Gunsten des schon durchseine Herkunft zur Herrschaft berechtigten Darms und die Perser er-zählten in der Folge, er habe sie künstlich auf sich gelenkt, indem erseinen Stallmeister angewiesen, ein Mittel zu ersinnen, wodurch seinRoß im entscheidenden Augenblicke zu wiehern veranlaßt würde. Mög-lich aber ist, daß das, was als die Entscheidung dargestellt wird, nur dienachträglich erfolgte orakelmäßige Bestätigung für Darms Königswürde ist,möglich sogar, daß die Erzählung von der Berathuug der Verschworenenüber die Verfassung, wie sie bei dem auf Herkunft beruhenden Rechte desDarms überflüssig war, auch in der Wirklichkeit gar nicht statt gefunden hat.
Kiesel, Weltgeschichte. I. 9