64
Die Aegyptier.
Die einheimischen Krieger beschuldigten den König der Absicht, sie zu ver-nichten und bedrohten ihn in offenem Aufstande. Patarbemis wurde vonApries als Bote an Amasis, das Haupt der Aufständischen, abgcschickt;als er scdoch zurückkehrte, ohne daß ihm die Stillung des Aufruhrs ge-lungen und dazu noch Amasis verächtliche Antwort meldete, strafte ihn derKönig für seinen Bericht durch Abschneiden der Nase und Ohren, wodurchsich Apries einen großen Theil seiner Umgebung entfremdete. Noch stützteer sich auf die griechischen Söldner, wurde aber mit denselben bei Mo-memphis geschlagen, fiel in Amasis Hände und wurde von diesem auf hefti-ges Drängen den erbitterten Empörern auögeliefert, die ihn erdrosselten.Amasis aber, durch Ausbruch einheimischer Abneigung gegen die Fremdenzur Herrschaft gelangt, verfolgte nichtsdestoweniger während seiner lan-gen Negierung (570—526) die Bahn der saitischen Könige. Die Nied-rigkeit seiner Geburt mochte auch ihn den Anfeindungen der Priesterund der Krieger aussetzcn, jene Stütze, welche seine Vorgänger anden Griechen gehabt, auch ihm zum Bedürfnisse machen und eine Ab-schwächung des eigcnthümlich ägyptischen Wesens, wie sie der Verkehrmit den Griechen zur Folge haben mußte, als ciu Mittel zur Minde- !rung der Abneigung empfehlen. Er verheirathete sich mit einer Grie- !chin aus Cyrene, sandte Geschenke an griechische Tempel, stand mit dem ,Fürsten Polykrates von Samos und dem Könige Krösus von Lydien in ^gastfreundschaftlicher Verbindung, verlegte die griechischen Truppen nach >Memphis und erweiterte die griechische Niederlassung in Naukratis durch sVerleihung bedeutender Vorrechte, zu deren Ausübung man besondere ^Obrigkeiten im fremden Lande wählen durfte. An Macht erhielt unter lihm Aegypten einen Zuwachs durch Eroberung der an Holz und Kupfer >reichen Insel Cypern, die von ihren früheren Beherrschern, den seit Sal- -manassars und Nebukadnezars Zeit ohnmächtigen Phöniciern, nicht be- ^hauptet werden konnte. Zu den Bauwerken und der Bildnerei lieferte ^er in Sais und Memphis Beiträge, welche alle älteren Kunstwerke iNiederägyptens übertrafen. Der Zufluß von Griechen erschloß dasLand der Wißbegierde, die sich bei dem Rufe seiner Wunder und seinerWeisheit von jeher auf dasselbe gerichtet hatte und der mit Begründunggriechischen Einflusses begonnene Zeitraum seiner Geschichte erhält dadurch,daß von den Begebenheiten auch eine seit Psammetich erzogene halbägyptische und halb griechische Volksklaffe Zeuge war, eine Deutlichkeit, >welche die Zeit vor Psammetich selbst nach Entzifferung der Hieroglyphen Ischwerlich erhalten wird. Mit Amasis aber schließt die Geschichte des alten ^Aegyptens. Die Veränderungen, die sich während seiner Zeit in Asienzugetragen hatten, erstreckten bald nach seinem Tode ihre Wirkungen auchüber Aegypten, und das Andenken an die glückliche Zeit seiner Regierung mußtesich um so mehr befestigen, als eine Zeit des Unglücks unmittelbar folgte.