Z4 Gang und Gliederung der vorchristlichen Geschichte.
sche und arabische Stämme auf der Bühne. Wo aber jener Kreis dasMittelmeer berührt, wohnt auf schmalem Küsteusaume, von seinem Landenicht genährt und darum auf das Meer hinausgcwiesen, das Volk derPhönicier, bestimmt, die Wege über das Meer zu bahnen und die Civi-lisation gegen Westen zu tragen. Zwischen allen diesen Völkern wan-dernd und wohnend, von den meisten berührt, von mehreren unterjocht,in keines ausgehend, alle überlebend und aller Andenken, indem es ihreGeschichte in die Aufzeichnung der seinigen aufnimmt, mit erhaltend, hatdas Volk Gottes seine Stelle, der Träger ursprünglicher Offenbarungund der Gegenstand stets sich erneuernder Verheißung, von Gottes un-mittelbar erziehender Hand die wunderbarsten Wege geleitet, ein Schiff,das auf den Wogen des Jrrthums geschaukelt, unwandelbare Wahrheitbirgt, in seinen Geschicken ein Bild von dem Leben des Menschen undeines von dem Leben der Menschheit. Seine Geschichte ist in demersten Abschnitte der heidnischen Geschichte, der im persischen Reiche seineVollendung findet, nicht beschlossen, sondern schließt in ihm nur, um injedem der späteren wieder von Neuem zu beginnen, bis das ganze Hei-denthum sich ausgelcbt hat und der Tag, der sich in Israels Geschichte,wie in einer Morgcnröthe verkündet, angebrochen ist.
7. Neben der Geschichte dieser Staaten läuft als gleichzeitige herdie der Griechen, oder wie sie sich selbst nennen, der Hellenen. Wäh-rend die Geschichte der altasiatischen Völker Spuren des Zusammenhangsmit der ursprünglichen Menschheit und die Ahnung dieses Zusammen-hanges bei den Völkern erkennt, sind für die Griechen die auf dieasiatische Heimath zurückführenden Spuren so verwischt und bei demVolke selbst die dorthin weisenden Ahnungen so erloschen, daß eine ge-schichtliche Anknüpfung an den Orient nicht möglich ist und nur dieSprachforschung die Beziehung zwischen diesem nach Westen vorgerücktenVolke und seinen Stammverwandten herstellt. Mit den Griechen trittdie Geschichte in den Kreis des Mittelmeercs und in ein Land derTheilung und Sonderung hinein, wo die Natur durch die Grenzen, diesie um das Land und in dem Lande gezogen, das Leben zu einer derorientalischen Einförmigkeit entgegengesetzten Mannigfaltigkeit bestimmtzu haben scheint und der Gegensatz des bewegten McereS zu den weitenHoch- und Tiefebenen des Orients sich in dem Gegensätze zwischen derrastlosen Wandelbarkeit des griechischen zu der Starrheit des orientali-schen Lebens fortsetzt. In einem ungemeinen Reichlhum von Gebildenverbreitet sich das Griechcnthum aus dem Lande, das den Namen desVolkes trägt, nach allen Küsten der die drei Erdtheile des alten Conti-nents trennenden Binnenmeere, die Fahrten und Gründungen der Phö-nicier kreuzend und störend, überall die nationalen Grundlagen desLebens erneuernd und mit der höchsten dem Heidenthum erreichbaren