Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung.

3

liegenden und als erfahren überlieferten Thatcn als die Punkte, durchderen Festhalten das Auge sich in der für den Unkundigen unüberseh-baren Masse zurechtfindet und es wird zweifelhaft, ob die Weltgeschichtein diesem Sinne mehr als aus weiter Ferne auf den bezeichntenhöchsten Zweck des geschichtlichen Studiums hindeuten könne. Nichts-destoweniger ist der Gedanke an den höchsten Zweck die Bedingung, anwelche die richtige Wahl und Stellung jener einzelnen Punkte geknüpftist und, soweit die Beschäftigung mit dem Niederen und Einzelnen esgestattet, kann auch der Weltgeschichte in dem untergeordneten Sinnenicht erlassen werden, jenem Zwecke, auf welchen sie als Wissenschaftzielen muß, vorbereitend zu dienen.

4. Auf Anderes dagegen muß die Weltgeschichte, durch welche indas Studium der Geschichte eingeführt werden soll, gänzlich verzichten.Sie kann nicht mit der Darstellung des Thatsächlichen zugleich eine Ein-sicht in die Art, wie dasselbe gewonnen worden, gewähren und muß esdem fortschreitenden Studium überlassen, die Quellen, aus welchen ge-schöpft und die Grundsätze, nach welchen bei Benutzung derselben ver-fahren wird, zu entdecken. Sie ruht auf denjenigen Arbeiten, durchwelche die Quellen entdeckt, eröffnet und benutzt worden sind und solldenjenigen, welche durch Neigung und Beruf an den Gegenstand ge-fesselt werden, Anlaß geben, durch Hülfe jener Arbeiten zu den Quellenselbst hinaufzusteigen und das Anfangs bloß Aufgenommene theils durchPrüfung zu höherer Gewißheit zu erheben und, wo nöthig, zu berichti-gen, theils stufenweise zu erweitern und durch Erweiterung für diehöheren Zwecke und den einen höchsten Zweck, wofür Geschichte studirtwird, brauchbarer zu machen.

5. Nicht minder ist einer gleichmäßigen Ausführlichkeit bei Behand-lung der einzelnen zeitlich und räumlich geschiedenen Gruppen zu ent-sagen. Denn obgleich in einem jeden, auch dem engsten und entlegenstenKreise des Lebens, die Gesetze, welche in der gesammten Geschichte wal-ten, sich wirksam erweisen und so jeder Theil der Geschichte reiche Be-lehrung zu gewähren vermag, so fordert doch die Notwendigkeit, fürden Anfang eine Auswahl darzulegcn, eine Ausscheidung desjenigen, wasüber den Kreis, in welchem es vorgegangen, seine Wirkung gar nichtoder nur wenig hinauserstreckt hat, damit das klebrige nach Maßgabedes Einflusses, den es in räumliche und zeitliche Ferne hinein geübthat, sich geltend machen könne. Wird so, wie in einem Gemälde, fürUnterscheidung von mehr und minder bedeutsamen Gruppen und Figurengesorgt, so trägt zur Bestimmung ihrer Bedeutsamkeit auch ihr Verhält-niß zu dem Kreise der Gegenwart bei, für welchen das übersichtlicheBild der Geschichte entworfen wird. Wie die Rücksicht, die Gegenwartaus der Vergangenheit zu erklären, oft bei Wahl und Behandlung maß-

1 *