Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
91
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durch Dr. Philipp Melanchthon. 1545. 91

unter denen Wenig gewesen, die studirt haben, und dazu nichtsAnderes, denn in der Curtisanen Practiken, die zu Rom an desPapstes Hof, oder sonst an Gerichten gilt. Da sind die Predi-ger- und Barfüßer-Mönche aufgekommen durch etliche Leute, diedem Ueberfluß und muthwilligem, ungöttlichem Wesen, darin dieBischöfe lebten, feind gewesen sind, und derhalben sich selbst ein-geschlossen, und in solche strenge Orden ergeben haben, darin sieein mäßiger und züchtiger Leben möchten führen. Aber dazu istgleich ein Unverstand gekommen, aus welchem bald Alles vollAbgötterei und Aberglauben geworden ist. Darnach,' da Etlichegesehen haben, daß viele Leute durch Hadern und Rechten amHvfgericht zu Rom zu großen Ehren und Reichthum gekommen,und dasselbige auch eine Ursach war, daß man nun in SchulenNichts mehr studiret, denn von menschlichen Rechten und Ge-richten, haben sie sich unterstanden, die Leute wiederum dahin zubringen, daß sie Gottes Wort und die heilige Schrift lernten.Aber es hat ihnen an gutem Rath gemangelt; denn Albertusund seines Gleichen, die sich aus den Aristotelem gaben, habenaus der christlichen Lehre eine menschliche Lehre und Weltweis-heit gemacht.

Dieß ist nun das vierte Alter, welches in die rechten Brunn-quellen des Evangelii nicht allein Koth, sondern auch Gift ge-schüttet hat; denn da hat man den Leuten solche Lehre einge-bildet, dadurch öffentliche Abgötterei zugelassen und bestätigt wor-den ist.

Es sind doch im Thoma, Scoto und andern solchen Lehrernso viel verwirrter falscher Meinungen, daß je und allewegen dieGelehrten der heiligen Schrift, so etwas verständig und gutherziggewesen sind, gewünscht haben, daß man möchte eine andereWeise haben zu lehren, die verständiger und lauterer wäre. Undkann Niemand sagen, er wolle denn gar unverschämt sein, daßohne Noth gewesen sei, dieselbige Lehre zu ändern, sintemal auchdiejenigen, so ihr Leben lang bis in ihr Alter damit sind umge-gangen, viel dunkeler und irriger Disputationen darin selbst nichthaben können verstehen, zudem, daß auch öffentliche Abgöttereidadurch vertheidigct wird, als da sie lehren, daß die Messe, welchesie ein Opfer nennen, den Leuten helfe, nur um des bloßenWerkes willen; Gott gebe, wie das Herz gesinnet sei. Item,daß nicht unrecht sei, die Bilder oder Götzen anzubeten; daß dieSünden nicht ohne unser Verdienst und allein durch den Glau-ben verziehen werden, und da sie die Gewissen kerkern und peinigen