Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
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212
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Siede über den Ausspruch Christi:

Schmerzen werden ganz vornehmlich gemildert, wenn etwasGutes und Heilsames, nämlich Hilfe, zu einem freudigen Ausgangeuns entgegen tritt. Alle anderen Trostgründe, welche man vonder Unvermeidlichkeit oder von Beispielen entlehnt, gewahren keineso große Erleichterung. Es bietet aber der Sohn Gottes,unser Herr, Jesus Christus, der für uns gekreuzigt undauferweckt ist, und zur Rechten des Vaters sitzt, Hilfe undBefreiung uns dar, und hat diese Gesinnung in vielen Aussprü-chen ausgedcuckt. Ich will aber jetzt über das Wort sprechen:Niemand wird Meine Schafe aus Meiner Handreißen."

Dieser Ausspruch hat mich oft in tiefster Trauer aufgerichtetund gleichsam aus der Hölle gezogen.

Es haben zu allen Zeiten die weisesten Menschen die Größedes menschlichen Elends beklagt, welches wir mit Augen sehen,bevor man in jene Ewigkeit übergeht; als Krankheiten, Tod,Mangel, unsre Verirrungen, durch welche wir uns Nachtheil undStrafen zuzichcn, feindselige Menschen, Treulosigkeit von Seitenderer, mit denen wir eng verbunden sind, Verbannung, Be-schimpfung, Verlassenheit, elende Kinder, öffentliche und häus-liche Zwietracht, Kriege, Mord und Verwüstung. Und da sol-ches Guten und Bösen ohne Unterschied zu widerfahren scheint,haben viele Weise gefragt, ob es eine Vorsehung gebe, oderob unabhängig von göttlicher Absicht Alles der Zufall bringe?Aber wir in der Kirche wissen, daß die erste und hauptsächlichsteUrsache menschlicher Noch die ist, daß der Mensch wegen derSünde dem Tode und anderm Ungemach unterworfen ist, wel-ches gerade in der Kirche um so heftiger ist, weil der Teufelaus Haß gegen Gott furchtbare Angriffe aus die Kirche macht,und sie gänzlich zu vertilgen strebt. Deshalb steht geschrieben:Ich will Feindschaft setzen zwischen der Schlangeund dem Weibessamen."*) Und Petrus spricht:EuerWidersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe,und sucht, wen er verschlinge."**)

Gott hat aber nicht vergebens die Ursachen unsers Elendsuns kund gemacht. Wir sollen nicht nur die Größe unsrer Nochselbst anschauen, sondern auch die Ursachen derselben einsehen,und seinen gerechtesten Zorn gegen die Sünde anerkennen, damitwir auf der andern Seite auch den Erlöser und die Größe Sei-

') 1. Mos. s, 15. **) 1. Petr. 5, 8.