192 Rede von dem unter drei Scheffel Mehl gemischten Sauerteige,
nachfolgende Zeitalter, und auf diese nach der Apostel Zeit er-folgte Vereinigung der Kirche aus Heiden und Juden. DieseBeziehung mißfiel mir nicht. Jedoch da von einer Umwandlungdie Rede ist, so glaube ich, man kann die drei Scheffel Mehlfüglich auf die drei Seclenvermögen — auf die Vernunft, denWillen, und das Herz beziehen. Welche Finsterniß herrschte vonjeher, und wird, wie jetzt, zu allen Zeiten in der menschlichenVernunft herrschen, wenn sie das Licht des Evangelium ent-behrt! Wir lesen ja den Unsinn der Heiden und Philosophen,welche entweder, gleich den Cyklopen, ganz ohneGott waren, oderabscheuliche Vorstellungen von der Gottheit sich bildeten, wie dieStoiker, welche auf eine grauliche Weise Gott schmähen, indemsie die Meinung aufstellen, daß Ec das Böse nicht nur wolle,sondern nothwendig wolle. Die übrige Menge dichtete sich einezahllose Götterschar. Gleicher Weise welche Finsterniß der Ver-nunft finden wir jetzt noch bei den Muhamedanern, Papisten,und Wiedertäufern! Die Muhamedaner sind fern vom wahrenGott, indem sie nicht den als den wahren Gott anerkennen,der durch die Sendung des Sohnes Sich geoffenbaret hat. Auchläugncn sie, daß der Sohn gesendet worden, um das Opferfür uns zu werden. Die Papisten, wenn sie auch den Namendes Sohnes beibehalten, erklären doch weder, was das Wort(der Logos) sei, noch weisen sie aus Seine Wohlthatcn hin, undunterdrücken die Anrufung offenbar, indem sie dich stets zweifelnheißen, ob Gott dich wieder angenommen habe und ob Er deinGebet erhöre. Sodann verfallen sie auf Abgötterei, rufen ver-storbene Menschen an, ungeachtet sie wissen, daß menschlicheMacht das Seufzen der Herzen nicht richten könne. Viele rufenöffentlich Heiligenbilder an, und üben bei dem Hcrumtragcn (derMonstranz) in unvcrhohlnem Frevel gegen Gott, die Artolatcie*).Vor Kurzem ist die östreichische Katechesis herausgegebcnworden, in welcher außer vielen andern, aufs Neue bestätigtenJrrthümern auch der Wahnwitz von den Mönchsgelübden wiedererneuert wird. Erheuchelte Armuth und einige andere äußereGcbehrden heißen darin evangelische Vollkommenheit. UnsereVerachtung verdient der Verfasser derselben, der ja weiß, daß dieevangelische Vollkommenheit im Bewußtsein unsrer Schwachheit,im glaubensvollen Ergreifen des Mittlers, und in der Einwoh-nung Gottes in unfern Herzen besteht, die uns umwandelt zu
*) Abergläubige Verehrung des geweihten Abendmahlsbrotes.