186 Rede von der Verschiedenheit der Kirche Gottes
wird diese Rede vorzugsweise an unsern Stand gehalten, derdas schwerste Amt im ganzen Menschenleben verwaltet, nämlichdie Regierung und Leitung der Kirche, welche sowohl die Ver-kündigung des göttlichen Wortes, als auch die Zucht unter sichbegreift.
Ost aber hat die Vernachlässigung des göttlichen Worts Ver-wirrungen und Streitigkeiten in der Religion erzeugt, worausKriege hervorgingen, welche ganzen Völkern verderblich wurden;wie es auch beim Propheten Hoseas heißt:*) „Du verwirfstGottes Wort, darum will Ich dich auch verwerfen,daß du nicht mehr Mein Priester fein sollst!" Durchdiese Androhung wie durch einen Blitz erinnert, wollen wir zuneuem Eifer der Forschung im göttlichen Worte, und zu Sorg-falt und Treue in der Verwaltung des ganzen Amtes uns er-wecken lassen. Strafdeispiele sind in diesen und in andern Lan-dern uns vor Augen, und ich fürchte, es werden bald traurigerekommen. Doch wird Gott diese Noch lindern, wenn wir größereSorgfalt für die Förderung der Sittlichkeit, und überhaupt treuenPflichteifer zeigen werden. Glaubet nicht, daß ihr zu träger Ruheund zur Wollust des Bauchs berufen seid, sondern Wächter seidihr über das wichtigste aller Geschenke, die Gott je dem Men-schengeschlcchte verliehen hat, wie Maleachi schreibt:**) „DesPriesters Lippen sollen die Lehre bewahren, und ausseinem Munde wird man das Gesetz fordern!" Eskann aber der reine Inhalt der Lehre nicht bewahrt werden ohneLesen, Nachdenken und Umgang mit Gelehrten. Vor Allem abermuß dazu auch frommes Gebet kommen, daß Gott die Herzenund den Verstand regieren wolle, wie es oft in den Psalmenheißt: „Lehre mich Deine Rechte. " ***) Damit müssen aberauch fromme Tugendübungen verbunden werden, welche dasLicht der Lehre sind. Denn so erst werden wir Andere richtigunterweisen können, wenn wir uns selbst zuvor unterweisen, undunser eigenes Gewissen und Leben der Vorschrift des Evangeliumgemäß bilden. Damit aber unsre Predigten die Stimme deSEvangelium recht wiedertönen, und das Wort Gottes in un-secm Munde sei, wie Jesaias sagt, so müssen wir die Pro-pheten und Apostel fleißig lesen und auf die Erklärungen erfahr-ner Männer achten. Darum nämlich will Gott das Predigtamtdurch die öffentliche Stimme der Lehrer verwaltet wissen, daß
*h Kap. 4. B. 6. **) Kap. 2. V. 7. ***) Psalm 119, 12. u.a. m.