184 Rede von der Verschiedenheit der Kirche Gottes
unseren Reden verbannen die Traume derer, welche sagen, dieKirche Gottes sei nirgends sichtbar, und sich außerhalb des gan-zen menschlichen Geschlechts einen unsichtbaren Haufen, gleich ei-nem platonischen Gedankenbilde malen. Gott will, daß SeineKirche im ganzen menschlichen Geschlechts gehört werde, daß sieüberall sichtbar sich darstelle. Nicht vergebens hat Ec Sich geos-fenbaret. Er will, daß Seine Verheißungen erkannt, gehört, an-genommen werden sollen, wie es im Psalm heißt: „Ihre Stimmegehet aus in alle Lande!"*) und Paulus spricht: „WelcheEr erwählt hat, die hat Er auch berufen."**). Es istein großer Trost, gerade dicß zu wissen, daß Niemand je zumewigen Leben ausecwahlt sei, außer welche in dieser Menge derBerufenen die Lehre des Sohnes Gottes sowohl hören, als auchdaran fcsthalten, und daß es in dieser Menge stets einige Er-wählte gibt. Da dieser Trost einem frommen Gemüthe sehrtheuer und werth sein muß, so laßt uns sehen, wo die Kircheist, wo sie sichtbar ist, damit wir wissen, ob auch wir Bür-ger derselben sind. Laßt uns also festhalten, daß die Kirche Gottes
da wahrhaft sei, wo die evangelische Predigt ist, d. h. wo die '
Lehre des Sohnes Gottes ertönt, wo die von Ihm angeordne-ten Gebräuche bewahrt werden, welche Ec wollte, daß sie Zeug-nisse Seiner Verheißungen, und Zeichen unsers Bekenntnisses sein >.sollten.
Es kann demnach die Kirche erkannt, gehört und gesehenwerden, weil sie eine bestimmte Lehre hat, von Gott durch diePropheten, Christus und die Apostel uns gegeben, undGebräuche, welche in die Augen fallen. Und durch Gottes Gnade
ist es nun nicht mehr Noch, sie fern zu suchen. Ja, wisset,
daß in dieser unsrer Versammlung, in Euren Familien-, in Dör-fern, Städten, die Kirche Gottes wahrhaft ist, weil da die Pre-digt des Evangelium ist, und zweifelt nicht, daß unter dieserZahl Einige erwählt sind zum ewigen Leben, welche jetzt auchein Theil der Nachkommenschaft sind, von welcher es heißt imJesaias: „Mein Geist, der bei dir ist, und MeineWorte, welche in dir sind, sollen von dem Mundedeiner Nachkommen nicht weichen!"
Laßt uns daher Gott Dank sagen, daß Er Sich geoffenbaret,daß Er Seine Verheißungen uns gegeben hat, daß Er durch die .Stimme derselben stets eine ewige Kirche sich sammelt; ferner s
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*) Psalm 19, 5. **) Römer 8, ZV. !