^ „Halte an mit Lesen, mit Trösten und mit Lehren." 1547. 175
^ Ich sagte oben, die Einthcilung sei mit besonderer Genauig-
keit angeordnct, und habe kürzlich aus einander gesetzt, warum dieEmpfehlung des Lesens vorangestellt ist. Ich füge auch dieübrigen Glieder hinzu. Es ist nicht genug, die heiligen Bücherzu lesen, sondern es soll auch „die Lehre" dazu kommen; d. h.durch das Lesen schöpfe man die Lehre, in ein zusammen hangen-" des Ganzes gebracht, und weise die Zeugnisse in den Büchernnach; man zeige den Unterschied zwischen Gesetz und Evange-lium, und stelle die Glaubensartikel in bestimmter Ordnung dar,erläutere sie mit Hilfe der Wissenschaft, und achte vorsichtig aufihre Quellen, in welchen Stellen der prophetischen und apostoli-schen Schriften eine jede derselben vorgetragen werde. Man un-terscheide die der Kirche eigenthümliche Belehrung über Gott vonheidnischen und andern Meinungen. Denn man muß nothwcn-dig die Vorstellung von Eolr haben, wie Er sich selbst geoffen-bart hat, indem, Ec uns auf drei Personen, den ewigen Va-ter, den Sohn und den heiligen Geist hingewiescn. Manstelle den wunderbaren Rathschluß Gottes heraus, daß Er, alss der Gerechte, welcher über die Sünde schrecklich zürnt. Seinengerechtesten Zorn nur dadurch hat versöhnen lassen, daß SeinSohn an unsrer Statt Seine Erbarmung angefleht, auf Sichden Zorn übergetragen hat, und das Sühnopfer für uns gewor-den ist.
Auch sollen wir die Lehre von zwei Naturen in Christo nachjener Stelle festhalten: „Und das Wort ward Fleisch."*)Sodann müssen wir die Lehre von der freien Vergebung derSünde wohl unterscheiden von dem heidnischen und pharisäischenWahn, welcher dichtet, unsre guten Werke seien das Lösegcldoder die sühnende Genugthuung für unsre Sünden. Wir müssen> unterscheiden die Gerechtigkeit des Glaubens von der äußerlichenZucht, müssen lernen, was wahrer Gottesdienst sei; wir müssendie der Kirche eigenthümliche Anrufung Gottes von der heidni-schen unterscheiden, und lernen, was die Kirche sei, und wie sievon politischem Gemeinwesen sich unterscheide. Dieß Alles mußim Symbol bei der Erklärung der Glaubenslehren in bestimmterOrdnung dargcstellt werden.
Die Weisheit der Kirche ist nicht, wie viele Ununterrichtetewähnen, eine barbarische, unwissenschaftliche und grobe Lehre,dergleichen die Gesetze vieler Völker gewesen. Eben so wenig ist