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Rede von dem Ansehen der Gesetze,
xander Severus, von dem im Codex sehr viele Gesetze befind- !lich sind, ließ kein Decret ergehen, ohne Zuziehung von zwanzigRcchtsgelehrten. Wenn ich diese Weise erwäge, kann ich nicht !umhin, die Nachlässigkeit und Barbarei unsers Zeitalters zu rü-gen, mit der so viele mächtige Könige und Fürsten Entscheidun-gen geben, entweder ganz ohne Zuziehung gelehrter Männer, oderdoch ohne zuvor mit einer hinlänglichen Zahl solcher sich reiflich ^berathcn zu haben. Daher ergehen viele abgeschmackte und demRechte gänzlich widerstreitende Verordnungen und Entscheidungen,welche dem Ansehen der Fürsten gewiß nicht geringen Eintragthun. Da nun jene ruhmwürdigen Männer ein gelehrtes Werkzusammen gestellt, und darin Alles mit sorgfältiger Unterscheidung ^umfaßt haben, was das Wohl und die Sicherheit der menschli-chen Gesellschaft bedingt: Personen- und Sachenrecht, die verschie- 'denen Erwerbswcisen, die Vertrage, Erbfolge, Erbschaften, Obla- !sten, Klagen, Strafen rc.: so sind wir in der That verpflichtet,Gott zu danken, daß er unscrm Reiche solch ein Recht wiedergeschenkt hat. Denn nicht ohne Gottes Fügung ist es geschehen,daß, obgleich nach dem Falle des Römerreichs auch der Gebrauch >dieser Gesetze verloren gegangen, und eine fremde barbarische !Rechtspflege an ihre Stelle getreten war, dennoch 500 Jahrenach Justin! an die römischen Gesetze in die Gerichtshöfe, sowie in die Hochschulen, wieder zurück gerufen worden sind. DieseErneuerung derselben hat viele, durch Barbarei herbei geführte Ge-bräuche in gerichtlichen Fallen sowohl als in den übrigen Be-ziehungen des bürgerlichen Lebens verbessert. Auch den Wissen-schaften hat sie Dienste geleistet. Darum laßt uns über diesem ho-hen Gute um des gemeinsamen Bestens so vieler Völker willentreulich wachen. Denn das geschriebene Recht ist eine sichereSchutzwehr gegen die Tyrannei, und je wissenschaftlicher es ab-gefaßt ist, um so mehr Billigkeit spricht es aus. Durch dieseMauer ist die Volksfrcihcit gegen die Willkür der Machthabergeschirmt. Ließen wir uns dieses Recht entreißen, — welche Tyran-nei würde eintreten, wenn statt der Gesetze nur die Leidenschaf-ten der Mächtigen gälten! Denn leicht ist's, Vorwände zu er-dichten, und unter kriegerischem Außenschein die innere Gesinnung ^zu verbergen! Sehr wahr sagt Cicero: „Wenn man vom Recht ^sich entfernt hat, ist Alles unsicher." *) Eine weit größere Un-sicherheit würde Statt finden, wenn gar kein geschriebenes Recht
0 pro Oreoci». o. 26.