Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
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Rede von dem Ansehen der Gesetze,

mal da die heilige Schrift auch viele Beispiele frommer Leute !außerhalb der mosaischen Verfassung ausstellt. Denn, um nichtzu sprechen von den Patriarchen vor der Zeit des Gesetzes, sohat es auch nachher unter den Heiden viele Fromme, und zwarauch Lenker großer Staaten gegeben, als Naäman, Nebukad-nezar, Darius, Kyrus. Auch durfte Daniel bei den Persern dieErbschaften nicht nach den Gesetzen der Juden theilen. Werdenja auch römische Hauptleute und Krieger in der evangelischen Ge-schichte rühmlich erwähnt. Drum laßt uns keinen Zweifel hegen, ^daß auch die übrigen Staatsvcrfafsungen, in sofern sie nur, wiegesagt, dem Naturrecht nicht widerstreiten, Gott wohlgefällig sind;und das eben meint Paulus, wenn er spricht:Das göttlicheRecht, von Gott in der Menschen Herzen geschrieben," damit sieeine Regel von Gott hatten, die Gesetze zu leiten und zu beur-theilen. '

Nachdem ich nun gezeigt, daß auch die übrigen Staatsver-fassungen Gott Wohlgefallen, mögen redliche Gemüthcr das fleißigbedenken, daß auch diese, um mich so auszudrücken, Gottes Werkoder Gebäude sind. Denn auch Daniel sagt ausdrücklich, Gott ^gründe die Reiche, und Paulus: die Staatsverfassungen seienGottes Ordnung. Drum ist's ein großes Verbrechen, durchVerletzung der Gesetze gleichsam das von Gott gewebte Gewebe >zu zerreißen, was eben der Teufel auf rankevolle Weise erstrebt. 'Denn was könnfl es Schöneres, was Anziehenderes geben, alsStaatsverwaltung, wenn die Harmonie der menschlichen Ge-sellschaft nicht unterbrochen und gestört würde! Wenn die Staats-oberhäupter für die Ausbreitung der wahren Religion und ihreBeschützung Sorge trügen! Wenn sie sorgfältig über den sittli-chen Zustand der Bürger wachten; wenn sic die Streitigkeitenuntersuchten, die Guten und Redlichen schützten und begünstig-ten, die Bösen aber hemmten und bestraften! Wenn die Bürger ^einträchtig unter einander mit bescheidenem Sinne Folge leisteten,wenn in den Kirchen Ruhe herrschte, und sie gut verwaltetwürden! Wenn in den Schulen nützlicher Unterricht ertheilt,und strenge Zucht gehalten würde! Wäre nicht ein solcher Zu-stand jenes goldne Zeitalter, welches die Dichter schildern! Dasist die von Gott angeordnete Weise der Staatsverwaltung, unddiese beschützt und erhält Gott, in sofern sie wohl besteht. Aberin seiner tollen Raserei bringt der Teufel in diesen Chor Ver-wirrung, regt Tyrannen auf, daß sie gleich jenen den Himmelbefehdenden Giganten sich vermessen, die Religionen zu vertilgen,