130 Rede über dcn Nutze» der Philosophie,
muffen. Es scheint mir auch für die Sittlichkeit ersprießlich, eineScete sich zu wählen, welche nicht Zänkereien, sondern der Er- -socschung der Wahrheit ihr Streben widmet; ferner, welche ge-mäßigte Meinungen liebt, und nicht durch Gaukelkünste in Dis- ^putationen, oder durch abenteuerliche Behauptungen nach demBeifall der Ungelehrten hascht. Die Gewöhnung an solche Dingeist äußerst schädlich, und die, welche sie auf die heilige Wissen-schaft anwenden, wahrlich, die erregen ungeheure Stürme. Ueber- !dieß hat die einfache Philosophie, von der ich rede, das Bestre-ben, Nichts ohne Beweisführung zu behaupten; auf diese Weisevermeidet sie leicht ungereimte Meinungen, weil diese keine Be-weise haben, sondern nur durch sophistische Gaukelkünste ver-theidigt werden. Endlich ist der Kirche im Allgemeinen auchaus dem Grunde Wissenschaftlichkeit förderlich, weil unwissen-schaftliche Menschen eben so keck und anmaßend, als nachlässigsind. Die Gelehrsamkeit legt einen Zaum an, und gewöhnt anGenauigkeit. Denn auch den Wissenschaftlichen kommen vieleDinge in die Gedanken, welche der Materie, von der es sichhandelt, ähnlich sind; sie sehen, wie leicht es ist, zu irren undsich zu täuschen, und sind in andern Wissenschaften gewöhnt wor- sden, die Quellen der Gegenstände aufzusuchen und scheinbareSchwierigkeiten zu lösen. Es gehen sodann wissenschaftliche Be-strebungen auf die Sittlichkeit über, daher gerade jene Sorgfalt, ;welche bei der Forschung angewandt wird, Bescheidenheit erzeugt.Welche große Gefahr ferner anmaßende Keckheit, verbunden mitNachlässigkeit, verursacht, das zeigen die Beispiele aller Zeiten,in allen Staaten und in der Kirche selbst, welche von solchen un-wissenschaftlichen Leuten, die unbesonnen nur einreißen möchten,nicht nur in der Vorzeit oft zerfleischt worden ist, sondern auchin unserer Zeit gräulich zerfleischt wird.
Darum, sehr werlhe Zuhörer, vermahn' ich Euch zuerst, zu !bedenken, daß Euer wissenschaftliches Streben in Wahrheit aus 'den Staat, wie auf die Kirche Einfluß hat. Denn die Rein-heit und Eintracht der Wissenschaft erhält das Wohl und dieEintracht der Menschen überhaupt, und vornehmlich der Kirche.Dann beschwör' ich Euch bei der Ehre Gottes, die wir allem !Andern voranstellen müssen, und bei dem Heil der Kirche, dieuns das Theuerste sein muß, daß Ihr Euch von Eurer Ver-pflichtung überzeugt, diese herrlichen Wissenschaften, welche diePhilosophie in sich begreift, zu erhalten, und mit erhöhtem Eiferihnen obzuliegen, damit Ihr Euch eine tüchtige und dem mensch-