Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
116
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116 Rede über die Einnahme und Plünderung der Stadt Rom,

Stadt Rom gedrungen sind, klage ich mit vollem Rechte an.Und gesetzt auch, sie hatten gerechte Ursache gehabt, in Rom ein-zudringcn, so ist's doch Empörung, auf Jemand ohne recht-mäßigen Befehl einen Angriff machen. Ist aber wohl Etwas derKricgsordnung so sehr entgegen gesetzt, als Empörung, da nuraus dem einzigen Grunde nach dem Völkerrechte Kriege geführtwerden, um denjenigen, welche aufrührerischer Weise, ohne Be-rechtigung der Obrigkeit, die Waffen ergreifen, Einhalt zu thun?Darum, weil sie gegen den Befehl des Kaisers die Stadt ein-genommen haben, verdienen sic gar nicht, Krieger zu heißen, son-dern sind, da sie das gemeinschaftliche Völkerrecht gebrochen ha-ben, als Feinde des Reichs nicht nur, sondern auch der ganzenmenschlichen Gesellschaft zu betrachten. Es haben bei den Rö-mern mehrere Feldherren, einige gegen ihre Söhne, andere gegendie vornehmsten Bürger das Todcsurtheil ausgesprochen, weil siedem Befehle des Feldherr» entgegen, von ihren rechtmäßigenFeinden herausgefordert, gegen dieselben gekämpft hatten, und dieDisciplin war so streng, daß für einen Feind galt, wer derFeldhecrnverordnung zuwider das Schwert gezogen! Mit wie vielgrößerem Rechte müssen wir jene Kurier*) als Feinde betrachten,welche, ohne dazu befehligt zu sein, unerhörte Grausamkeit ge-gen Wehrlose verübt haben! Aber aus welchem Grunde ist denneigentlich gegen die Stadt gewüthet worden? Weil sie dem hab-süchtigen, grausamen Heere kein Geld gezahlt hat! Welchenandern Grund bringt der Räuber vor, warum er den Wandererermordet? Vor alten Zeiten führte einst ein sehr gerechter Zorndie Gallier vor Rom; denn'ein römischer Legat hatte, dem Völ-kerrechte zuwider, gegen sie gekämpft. Dieses Raubgesindel hattekeinen andern Vorwand, als daß ihm das Geld nicht sei gege-ben worden, welches es gefordert. Nicht etwa darum also istdie Stadt angegriffen worden, weil der Papst in ungünstigerStimmung gegen den Kaiser gewesen wäre, weil er die Fran-ken und Vcneticr begünstigt hätte. Nichts ist zu Gunsten Karlsunternommen worden. Habsucht und Hoffnung auf reiche Beutehaben sie angctricben, daß sie über den Apennin gegangen, undin den größten Eilmärschen auf die Stadt losgestürzt sind. We-der mehrtägiger Mangel an Nahrung, noch der Feind im Rük-ken und zu beiden Seiten hat ihren Marsch aufgehalten, so sehr

*) Die Karier streiften, nach Strabo, bewaffnet in Klcinasicn um-her, und verkauften entweder ihre Kriegsdienste um Sold, odertrieben den Raubkrieg.