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Rede, gehalten bei dein Begräbnis- des Kursür-sten
Damit aber diese versammelte Menge um so besser sich be-wusst werde, wie viel sie den Manen dieses Fürsten verdanke, willich nur oberflächlich einige seiner Vorzüge berühren, und sie gleich-sam nur aus der Ferne andeuten. Und wiewohl ich mir nichtanmaßen will, zu hoffen, dass meine Rede die Wehmuth undTrauer derer stillen werde, welche den Verlust, den der Staatdurch diesen Traucrfall erlitten, in seiner ganzen Größe fühlen,so hoff' ich doch, dass gerade das Gedächtnis jener Vorzüge dieBitterkeit unsrer Trauer mildern werde. Da die heilige Schriftlehrt, daß von Gott den Staaten Obrigkeiten verordnet, durchSeine Schickung Fürsten gegeben werden, so verdankt in derThat diese Nation dem Himmel sehr viel, daß ihr ein solcherFürst zu Theil geworden, der, wie ihn seine ursprüngliche na-türliche Anlage nur zu friedlichen Bestrebungen, zu Menschen-freundlichkeit und Milde bestimmte. Nichts höher und heiliger ach-tete, als die Wohlfahrt seines Volkes. Mögen Andere alter Ah-nentafeln und Ahnenbilder sich rühmen; obgleich Sachsens Für-sten auch diese Ehre in vollem Maße besitzen, so hatte dochFriedrich andere, größere Vorzüge: seine Regentcnwcisheit, seineausgezeichnete Geistesgröße. Es irrt aber, wer da meint, nurdurch Waffen und Gewalt möge ein Staat gesichert werden;weit mehr noch dienen dazu friedliche Bestrebungen: Gerechtigkeit,Mäßigung, Beharrlichkeit und Ausdauer, rege Sorgsamkeit für dasallgemeine Wohl, Sorgfalt und Bcdachtsamkcit, wenn es gilt,richterliche Aussprüche zu thun, und bürgerliche Streitigkeiten zuschlichten; Geduld, um auch die Verirrungen des Volks zu tra-gen, strenger Ernst in Züchtigung der Frevler, Milde, um diezu retten, welche noch verbesserlich sind. Wohl erregen kriegeri-sche Tugenden die Bewunderung des großen Haufens in höhermGrade, und erscheinen ihm in glänzenderem Lichte; und mehrgilt ihm der Streiter in seiner Athlctenstärkc, als der sanfte fried-liche Bürger Die Tugenden des Friedens und des stillen Bür-gerlebens gedeihen, wie anderes Gute auch, im Verborgenen, undentgehen dem Auge der Unerfahrnen. Darum achten sie es alsein geringes Lob, wenn man friedliche Gesinnungen und Bestre-bungen an einem Manne rühmt. Meine Meinung aber ist, daß,mag man auf den Northeil oder auf den menschlichen CharakterRücksicht nehmen, friedliche Gesinnungen vor kriegerischen Bestre-bungen weit den Vorzug verdienen, und ich kann nicht zugebcn,daß man einem Augustus, diesem so friedliebenden, die öffent-liche Ruhe begünstigenden Fürsten, jenen Antonius voranstelle.