Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
70
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70 Rede über der Leiche Dr. Martin Luthers,

billig Kummer und Schmerzen. Denn wir sind nun ganz wiearme, elende, verlassene Waisen, so einen thcuren und trefflichenMann zum Vater gehabt, und nun dessen beraubt sind; aberdoch, weil wir Gott Gehorsam schuldig sind, und in SeinenWillen uns ergeben müssen, so wollen wir doch ein stetes, ewigesGedachtniß dieses unsers lieben Vaters behalten, und nicht ausunscrm Herzen lassen. Ja wir sollen seincthalbcn Gott danken,und uns mit ihm freuen der ganz fröhlichen, seligen, ewigen Ge-meinschaft, so er jetzt hat mit Gott und dem Sohne Gottes,unscrm Herrn Jesu Christo und mit den heiligen Vätern, Pro-pheten und Aposteln, deren er bei seinem Leben im Glauben undVertrauen zu Gottes Sohn allezeit zum Höchsten begehrt, undmit großem Verlangen darauf gewartet; da er nun nicht alleinhöret, daß seine schwere Arbeit und treuer Fleiß, so er bei derreinen Lehre des Evangelium zu pflanzen und auszubrciten ge-habt, von Gott und der ganzen himmlischen seligen Kirche imewigen Leben gelobt und geprciset wird; sondern auch er selbst,als der nun aus diesem sterblichen Körper, als aus einem Kerker,ledig geworden, und in eine andere, gar viel höhere, herrlichere,göttliche Schule gekommen ist, jetzt nun vor Augen schauet underkennet das hohe, unergründliche Wesen göttlicher Majestät, unddie zwei Naturen, göttliche und menschliche, in Einer Persondes Sohnes Gottes vereiniget, und den ganzen hohen, wunder-baren, göttlichen Rath, dadurch Er Seine Kirche im mensch-lichen Geschlecht erschaffen und erlöset. Und weil er diese überalle Maßen hohen, unbegreiflichen Sachen allhier durch Glaubenim Wort und kurzen Sprüchen der göttlichen Schrift eingewickeltund zugcdeckt betrachtet, hat er jetzt unaussprechliche Freude, daßer solches offenbar vor Augen sichet, und von ganzem brennendenHerzen ohn' Unterlaß Gott danket für diese allerhöchste Wohlthat.Da lernet er nun erst recht verstehen, wie und warum der SohnGottes in der Schrift das Wort und Ebenbild des ewigen Vatersgencnnet wird, und wie die Person des heiligen Geistes sei dasBand der unaussprechlichen herzlichen Liebe, beide zwischen Gottdem ewigen Vater, und dem Sohne, und auch zwischen ihnenund der ganzen Kirche. Dieser hohen Lehre Anfang, und gleichals die ersten Buchstaben, hat er in diesem sterblichen Leben ge-lernt, und von diesen großen Sachen, nämlich vom Unterschiedrechter christlicher und anderer heidnischer, falscher Anrufung, vonrechter wahrhaftiger Erkenntlich Gottes, die da anstehet, wie ErSich selbst durch Sein Wort offenbaret und zu erkennen gegeben