Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

Z6 Antwort auf eine im Aufträge des nicdcrn Klerus zu Cöln

wahren Pflichten der Frömmigkeit, über die Ki'rchcnzucht herrschtSchweigen! Inzwischen vernachlässigt Ihr nicht nur die Pflichtder evangelischen Predigt, sondern sucht sogar durch Vorschützungeines veralteten Kanons, in Ansehung dessen, der nach dem Todeseiner ersten Gattin, fromm und ehrbar eine andere ehelicht,und also Eines Weibes Mann ist, wackere und segensreich wir-kende Lehrer zu verbannen.

Doch was streite ich, da Ihr durchaus in keiner Sache auf-richtig zu Werke geht? Nicht jenen alten Kanon verfechtet Ihr,sondern habt nur einen Vorwand gesucht, um auf irgend eineWeise Oi. Bucer in die Enge zu treiben. Ihr scheuet das Lichtdes Evangelium, und sucht die Jrrthümer und den Aberglaubendes Volks zu befestigen, auf daß, um nichts Schlimmeres zu sa-gen, Eure Ruhe nicht gestört werde! Ich habe zu Anfang ge-sagt, daß ich auf einige Punkte, theils zur Belehrung des Lesers,theils um unscrn festen Widerspruch gegen die Eölnischc Schriftzu beurkunden, kürzlich antworten wolle. Denn solche heftigeSchmähungen durfte man doch nicht mit Stillschweigen hinneh-men. Ich übergehe daher absichtlich die großen Kehrhaufen vongehässigen Beschuldigungen, welche das Buch derDelectorum"allenthalben her zusammen scharrt, und bitte jeden rechtschaffenenLeser, unsre Kirchen, oder die Gesinnung unsrer Lehrer, und unsreLehre selbst nicht etwa nach der schmähsüchtigen Eölner Schrift,sondern nach Zeugnissen des Alterthums zu beurtheilen. Was ichfür meine Person in Ansehung der einzelnen Artikel der Kirchen-lehre bekenne, das Hab' ich in meinen Schriften freimüthig,schlicht, und ohne sophistische Jrrgänge aus einander gesetzt. Ichweiß, daß dieß die gemeinsame Lehre unsrer Kirchen ist, undzweifle nicht, daß dieser ganze Lehrbcgriff, der in unser« Kirchenverkündigt wird, sei wahrhaftig die Uebereinstimmung mit derkatholischen Kirche Gottes bis auf ihren Ursprung zurück. Liebermöge die Erde vor mir bersten, und der Aetna mich verschütten,als daß ich jene Verfälschungen der himmlischen Lehre rechtferti-gen, oder mit der Kirche Gottes im Widerstreit sein sollte, inwelcher ich wünsche, als in der ewigen Schule nach diesem Le-ben auch den Sohn Gottes, die Patriarchen, die Propheten undApostel zu schauen, und ihren Unterricht und Umgang zu genie-ßen. Diese künftige Schule steht im Geiste vor meinen Blicken,so oft ich in unsre Schulen eintrcte,und nimmer möcht' ich meinUrthcil von jenen erhabenen Lehrern trennen. Da ich auch Bu-cern in Bonn gehört habe, so bezeuge ich ihm, daß er die