288 Äeine und Napoleon.
Huldigung gilt nicht den Taten, sondern nur dem Geniusdes Mannes." Eine Verherrlichung des Genius ist auch dieeinzige, die nach der ganzen Anlage des „Buches Le Grand"am Platze war. Sobald man aber den einzelnen Taten,sobald man, wie in den „Französischen Zuständen", derSchilderung und Beurteilung realer Verhältnisse sich zuwandte,mußte ein anderer Maßstab der Beurteilung angelegt werden,und es kann nicht wundernehmen, daß einem so scharf-blickenden Manne wie Heine die Schattenseiten, die Schwächenund Fehlgriffe dieser ungeheueren Existenz nicht verborgenblieben. Die eine Betrachtungsweise kann sehr wohl nebender anderen bestehen. Nicht leicht wird es jemand deutlicherempfinden wie ich selbst. In meiner Vaterstadt Münster binich unter Verhältnissen aufgewachsen, die den Düsseldorfereinigermaßen vergleichbar sind, und die wundervolle Lausbahndes Kaisers, vor allem seine Leiden und das tragische Endeauf St. Helena, versetzten mich während der Knabenjahre ineine Begeisterung, die zuweilen in Schulaufsätzen Ausdruckfand und die, wäre die poetische Begabung hinzugekommen,sich wohl nicht mit einem einzigen Gedichte begnügt hätte.Ich will nicht leugnen, daß von jenen frühesten Gefühlen sichnoch heute einiges erhalten hat, aber sie haben mich nichtblind gemacht gegen eine andere Betrachtungsweise, die frei-lich jetzt, da die Quellen reichlicher fließen, leichter wird als zuHeines Zeit. — Weit überschätzt werden meines Erachtens diewenigen Anfangssätze des Fragments „Waterloo", wenn mandarin eine Llmkehr zu der „unbedingten Bewunderung", einenWiderruf dessen erblicken will, was Heine seit 1828 überNapoleon geschrieben hatte. Vorerst beachte man, daß dasjetzige Fragment ursprünglich ein Stück der „Geständnisse"bildete, aber von Heine, weil es zu weit abführte, unter derÄberschrift „Waterloo" als besonderes Stück in den „Ver-mischten Schriften" veröffentlicht werden sollte. Was hierüber die Schlacht von Waterloo und ihre Folgen und imAnschluß daran über Napoleon gesagt wird, ist nicht sowohl