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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
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257
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Äeines Nationalgefühl; Religiosität. 257

lese zusammen zu stellen, die für patriotische Festredner nochin unseren Tagen eine Fundgrube werden könnte. Aberwarum sollte er nicht zugleich einein Lande freundlich gesinntsein, wo alles ihm wohlwollend entgegenkam, wo niemandseine Abstammung ihm zum Vorwurf machte, und wo manseine Werke übersetzte, die in Deutschland, ehe sie nur er-schienen, verboten wurden? Wenn er den Fremden schmeichelte,so hat er ihnen nicht weniger die ernstesten Wahrheiten gesagt,und sieht man genau zu, so hätten die Franzosen mehr Ur-sache, über seine Komplimente zu zürnen, als die Deutschenüber seine Vorwürfe. DieseimpertinenLe" wurde auch vorkurzem in derkevue ckes cieux moncle8" bei der Be-sprechung des schönen Buches von Legras nicht ohne Ver-stimmung und nicht ganz ohne Grund hervorgehoben"), aberviel zu stark. Denn unzweifelhaft hatte Seine für Frankreichein warmes Serz, und wer, der über die Strömungen derZeit den Blick in die Zukunft richtet, kann ihm verübeln, daßer zwei Völker, denen beiden er durch Erziehung, Ausenthalt,Denkweise einigermaßen angehörte, Völker, die durch allewichtigen Interessen menschlicher und politischer Entwicklungaufeinander angewiesen sind, geistig zu einigen suchte?

Was ihm den stärksten und gewiß gerechtesten Tadelzugezogen hat, ist seine Art, über Gott und göttliche Dingezu reden, und das beträchtliche Maß von Schmutz, das inseine Prosa, wie in seine Verse sich einmischte. Dies zu ver-teidigen, wird wohl niemand versuchen. Man wird nur, umgerecht zu sein, hinzufügen müssen: trotz aller Frivolität desAusdrucks haben nur wenige Dichter ihr Leben hindurch soernstlich mit dem Gottesgedanken sich beschäftigt wie Seine.And wenn er leider seine Gedichte von Schmutz nicht freihielt, so findet man doch schwerlich ein Beispiel, daß er sich

*) fules üeßiras, ttenr! steine poete. Paris 1897. kfevueäes äeux monäes. IS mars, p. 4S7. pene Ooumic, la poösie äettenri steine.

Süsser, Seine. 17