Das „Buch Le Grand". 215
Keines poetische Schriften einbegreifen, so teilt Friederikedieses Verdienst mit Rahel nnd Charlotte Embden; auchdiese beiden nötigten den Dichter, aus den ihnen gewidmetenSammlungen die niedrigen Ausgeburten seines Genius zuentfernen, welche Wahrheit und Dichtung seines Lebens inso unerfreulicher Weise entstellen.
Zweifelhaft bleibt es, ob die Szenen des Buches, welcheKeine im 10. und 16. Kapitel an den Rhein, insbesonderenach Godesberg verlegt, wirklich dorthin gehören, oder ob siegleichfalls auf Friederike Robert sich beziehen, sodasi dannKeine, um den Leser absichtlich aus eine falsche Bahn zuführen, Begebenheiten aus Berlin an den Rhein verlegt hätte.Kessel nimmt (S. 568) dies an; auch lassen sich gute Gründedafür aufzählen. Nur ist von der anderen Seite zu sagen,daß der Dichter gerade in solchen Angaben ans seinem Lebenmeistens sehr genau ist. So erwähnt er, um nur ein Bei-spiel hervorzuheben, in dem dem „Buche Le Grand" unmittel-bar vorhergehenden dritten Teil der „Nordsee", daß er imWinter 1819 in Bonn vier Vorlesungen über „DeutscheAntiquitäten aus der blauesten Zeit" gehört habe. Mankönnte an einen Scherz denken; aber wenn man die vier vonKeine angegebenen Vorlesungen mit dem Bonner Abgangs-zeugnis vergleicht, findet man eine vollkommene Überein-stimmung. Ja, wenn er in dem „Buche Le Grand" denhinter ihm stehenden Mops als „Ami" anredet, so belehrtuns der Brief an Charlotte Embden vom 15. September1823, daß der Mops in seinem elterlichen Kaufe in Lüneburgwirklich diesen Namen führte. And so beruht auch der An-fang des zehnten Kapitels, in welchem Keine erzählt, wie eran einem klaren, fröstelnden Kerbsttag als Bonner Studentseine Vaterstadt wieder besucht und dort von seiner Familieniemanden mehr als einen Ohm und eine Muhme wieder-gefunden habe, gewiß auf wirklichen Erlebnissen. Kessel meintstatt dessen (S. 668), da Keines Eltern im Kerbst 1822 ausDüsseldorf weggezogen seien, so könne die von Keine ange-